Kremser-Villa: Dem Brand folgt der Bagger

240 Jahre altes Gebäude wird abgerissen ­ Sozialbau plant Haus mit 20 Wohnungen Kempten (sf). In wenigen Tagen wird es die 240 Jahre alte Kremser-Villa nicht mehr geben. Der Abriss-Bagger macht derzeit das einstige Heilbad in der Eich und die spätere Direktorenvilla der Spinnerei und Weberei Kottern dem Erdboden gleich. Stattdessen soll dort ein Gebäude mit rund 20 Wohneinheiten entstehen.

'Geplant ist ein Objekt in ähnlicher Größenordnung', erklärt Herbert Singer, Geschäftsführer der Sozialbau, die die Kremser-Villa vor einigen Jahren erwarb. In dem Neubau sollen etwa 20 Wohneinheiten unterkommen. Falls es die Bodenverhältnisse zulassen, ist zudem eine Tiefgarage vorgesehen. Dazu laufen gerade die Untersuchungen.

Das denkmalgeschützte Haus, das schon seit einigen Jahren leerstand, wurde durch einen Brand vergangenen April schwer beschädigt und das hohe Walmdach völlig zerstört. Geschätzter Schaden: 1,2 Millionen Mark. Das folgende Regenwetter tat ein Übriges. Danach hatte auch das Landesamt für Denkmalschutz nichts mehr gegen einen Abriss einzuwenden. Allerdings plädierte Oberkonservator Dr. Markus Weis dafür, an dem geschichtsträchtigen Ort keine Reihenhaus-Siedlung sondern wieder ein Gebäude in ähnlichem Umfang hinzustellen.

Neubau nicht vor Herbst

Das hat die Sozialbau auch vor. Laut Singer ist ein dreistöckiges Haus mit ausgebautem Dach vorgesehen: 'Kein direkter Nachbau, aber doch eine Gestaltung, die sich an der früheren Kremser-Villa orientiert.' An der Planung soll auch das Denkmalschutzamt beteiligt werden. 'Wir wollen in dem sensiblen Bereich nichts übers Knie brechen', verspricht Singer. Mit dem Neubau soll deshalb nicht vor Herbst begonnen werden.

Laut dem gültigen Bebauungsplan könnte die Sozialbau nordwestlich der Villa noch ein zweites Gebäude mit ähnlichem Umfang erstellen. Doch das ist derzeit laut Singer kein Thema: 'Nach dem augenblicklichen Stand ist nur ein Gebäude geplant.'

Die Kremser-Villa wurde 1760 erbaut und war bis Mitte des 19. Jahrhunderts das Hauptgebäude des einstigen Heilbads Eich. Ab 1850 diente es den Direktoren der nahen Spinnerei und Weberei Kottern als Residenz. Benannt ist die schloßähnliche Villa nach dem 1946 verstorbenen Kommerzienrat Alfred Kremser, damals Leiter der Fabrik. 1996 wurde es unter Denkmalschutz gestellt. Allerdings hatten nach Ansicht des Oberkonservators die erhaltenswerten Teile des Hauses durch die ständigen Umbauten schwer gelitten.

Noch geschichtsträchtiger als das Gebäude ist der gesamte Ort. Denn schon ab 1593 ist dort ein Heilbad nachgewiesen. Kemptener Bürger erfreuten sich bis 1841 an dem mineralhaltigen Wasser, das weiter oben am Hang einer Quelle entsprang.

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