König der Nacht hat Mäuse zum Fressen gern

Allgäu(rf). - 60 Prozent der bayerischen Tierwelt sind in ihrem Bestand bedroht. Auch im Allgäu gelten zahlreiche Arten als gefährdet. Reinhold Faulhaber vom Bund Naturschutz Kempten-Oberallgäu stellt etliche dieser seltenen Exemplare vor. Heute: der Uhu. Namensgeber war der Lockruf, mit dem Uhu-Junggesellen ab Sonnenuntergang versuchen, Weibchen auf sich aufmerksam zu machen. Das dumpfe 'u-ho' unserer mit 1,70 Meter Flügelspannweite größten Eulenart ist kilometerweit zu hören. Hat sich ein Paar gefunden, bleibt es sich und dem Brutrevier ein Leben lang treu. Jagd und Aushorstung der Junguhus hatten den bayerischen Bestand 1935 auf kümmerliche 22 Brutpaare sinken lassen. Der seit 1971 geltende Greifvogelschutz hat die Zahl der Brutpaare im Freistaat wieder auf etwa 200 anwachsen lassen. Die wenigen Brutpaare des Allgäus findet man in Gebirgstälern, am Grünten und an der Iller bei Hirschdorf und Kalden. Sehr empfindlich reagiert der Uhu auf direkte Störung am Horst - zum Beispiel durch Kletterer. In Kempten quartierte sich 1997 und 1998 ein Uhu wochenlang im Südturm der Lorenzkirche ein. Entdeckt von einer Schar Rabenkrähen wurde er von den Vögeln jedoch so lange attackiert, bis er abzog.

Wer meint, dass sich der Uhu tagsüber in dichten Baumgruppen oder auf Felssimsen verborgen hält, weil er tagblind wäre, der irrt. Er sieht auch am Tage ausgezeichnet. Trotz der nach vorne gerichteten Augen schlägt dieser dämmerungs- und nachtaktive Vogel die Beute vor allem mit Hilfe seines guten Gehörs. Die bei Erregung aufgestellten Federbüschel am Kopf sind übrigens nicht die Ohren. Diese liegen von Federn verborgen seitlich am Kopf. An der Spitze seiner Beuteliste stehen Mäuse und Ratten. Aber auch Wasservögel bis zur Graureihergröße, Rabenvögel, Jungfüchse, Rehkitze, Igel, manchmal sogar Fische und im Winter Aas stehen auf dem Speiseplan. Da Eulen - im Gegensatz zu Greifvögeln - Knochen nicht verdauen, sondern diese zusammen mit Haaren wieder herauswürgen, lässt sich am ausgespuckten Gewölle gut ablesen, was sie erbeutet haben. Weitgehend ohne natürliche Feinde steht der Uhu als 'König der Nacht' an der Spitze der Nahrungspyramide. Uhus bauen in ihrem mehrere Quadratkilometer großen Revier kein eigenes Nest, sondern scharren auf den Felsbändern nur eine Mulde für die Eiablage. Bei der Jungenaufzucht herrscht Arbeitsteilung. Das Weibchen brütet, bleibt die ersten Wochen bei den Jungen und füttert sie mit kleinen Happen. Das Männchen schafft die Nahrung herbei. Bei guter Haltung wurden Uhus in Gefangenschaft bis zu 68 Jahre alt. In freier Wildbahn schaffen sie maximal 20 Jahre, da sie nur allzu oft Opfer von Stromleitungen, Eisenbahn- und Straßenverkehr werden. Eine ungestörte Brutzeit an den Horstfelsen, der Erhalt des kleinräumigen Wechsels von Wald und Wiese unter Verzicht auf weitere Verkehrsstraßen und Verdrahtungen der Landschaft würde das Überleben der Uhus auch in unserer dicht besiedelten Kulturlandschaft sicherstellen.

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