Kneipennacht mit Kultur, Karaoke und Boxenludern

Von Veronika Krull Sonthofen. Die Nacht ist kalt. Der Atem plustert sich zu weißen Wölkchen auf, gefrorener Schneematsch knirscht unter den Schuhen, wer unterwegs ist, verkriecht sich in warme Jacken. Doch halt: Da steigt kurz vor Mitternacht eine junge Frau in den Bus, nur mit T-Shirt, aber ohne Gänsehaut! Verwunderliche Fragen erübrigen sich aber, denn in Sonthofen ist wieder Kneipen-Hopping angesagt. Zum dritten Mal luden rund ein Dutzend Gastwirte in der Innenstadt zur Sonthofer Kneipennacht ein mit Life-Events von Rock bis Reggae bis 3 Uhr früh. Und alte Hasen wissen eben, irgendwann brauchst du keinen dicken Pullover mehr. Dann verwandeln sich die gesteckt vollen Bars und Bistros, die Pubs und Clubs in eine Sauna mit Musik, in der es keine Ellenbogenfreiheit mehr gibt, dafür aber jede Menge Fun und Unterhaltung sofern man die Stimme auf volle Lautstärke stellt. Nicht schlecht, aber warm, ruft Susanne, 18, aus Blaichach zu den lässigen Klängen der Reggae-Band Ujima. Die Schweißperlen rinnen auch ohne rhythmische Leibesübungen und der Kneipp-Gang vor die Tür in erfrischende Kälte ist irgendwann höchst willkommen. Also: Wozu braucht man eine Jacke? Denn auch die Wege zwischen den Kneipen sind denkbar kurz (und sommerlich temperiert): Alle halbe Stunde fährt wirklich pünktlich der kostenlose Pendelbus vor, der bis zum frühen Morgen zu einer Rundreise vom Bahnhof bis zum Eisstadion einlädt.

Und da auch der Transfer begeistert genutzt wird, läuft tatsächlich niemand Gefahr, weder im Bus noch in der Kneipe auf die warme, um nicht zu sagen dampfende Ausstrahlung seiner mitfeiernden Mitmenschen verzichten zu müssen. Einfach gut, lautet vor der Ohren füllenden Klangkulisse der Cover-Rockband The Dookies der knapp gebrüllte Kommentar von Carina, 17, aus Immenstadt, die mit ihren gleichaltrigen Freundinnen Anja, Maria und Sarah noch abwartend an der kleinen Tanzfläche steht. Und bei dem nächsten Song (Hey, hey, hey) in den seltenen Genuss einer bühnenreifen Show von zwei gelösten Jungmannen kommt. Begeistert sind auch Marina und Frank Hoffmann aus Darmstadt, die heute den ersten Urlaubstag in Sonthofen verbringen und sich über die unverhofften Einblicke ins Nachtleben der Kreisstadt freuen. Für Michael Seidel aus München, der draußen wohl gelaunt mit seinen Freunden auf den Bus wartet, ist es bereits die zweite Kneipennacht, die er in seiner Heimatstadt erlebt. Der Informatiker, der um 20 Uhr in einem Café mit Dr. G-Point und Blues die Tour begann, ist schon gespannt auf die weiteren Stationen, die immerhin nicht nur mit Musik, sondern auch mit einer Karaoke- und einer Boxenluder-Party locken. Für Ingrid Ernst aus Immenstadt dagegen ist die Kneipennacht schon etwa eine halbe Stunde vor Mitternacht zu Ende: Sie will am nächsten Morgen zum Skifahren gehen. Auf jeden Fall sind die Nachtschwärmer durch die Bank gut drauf, wie Security-Man Serkan bestätigt. Und sein Kollege Bernhard Wörner, im wirklichen Leben Käseschneider aus Lindenberg, sieht ebenfalls nur zufriedene Gesichter in dieser Sonthofer Kneipennacht, in der bis zum frühen Morgen echt was los ist. Eigentlich sollte das normal sein, wünscht sich Anna, 19, aus Sonthofen, die sich allerdings bis Ende Mai/Anfang Juni gedulden muss: Dann ist die nächste lange Nacht geplant.

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