Kliniken-Quintett im Aufwärtstrend

Marktoberdorf/Ostallgäu | vit | Mit rechnerisch mehr als 1100 Vollzeitkräften an fünf Standorten und einem Jahresumsatz von fast 90 Millionen Euro sieht Vorstandsvorsitzender Rainer Wuttke die Kliniken Ostallgäu-Kaufbeuren durchaus als mittleren Konzern. Und der Chef dieses kommunalen Unternehmens sieht seinen Betrieb auf gutem Kurs: Alle Standorte seien mittelfristig sicher, das Defizit sinkt weiter, erklärt Wuttke: 'Diese Entwicklung verläuft diametral anders als bei der überwiegenden Anzahl der deutschen Kliniken.' Die Entscheidung für die Fusion der kommunalen Klinik Kaufbeuren und der vier Kreiskrankenhäuser zum Jahresbeginn sei richtig gewesen.

Gegenüber unserer Zeitung nannte Wuttke nun Zahlen zur Defizitentwicklung. Für 2006/07 hatte Wuttke eigentlich hohe Belastungen befürchtet. Denn die höhere Mehrwertsteuer und ein neuer Tarifvertrag für die Ärzte machten Mehrausgaben wahrscheinlich. Tatsächlich blieb aber das Defizit vor allem in Kaufbeuren sehr deutlich hinter den Berechnungen zurück, freut sich Wuttke. Statt 4,6 Millionen Euro werden für das Jahr 2006 wohl nur 2,9 Millionen Euro von den kommunalen Trägern (Stadt Kaufbeuren und Landkreis Ostallgäu) zum Verlustausgleich abgerufen.

Für den Erfolg nennt Wuttke verschiedene Gründe. Wichtig sei gewesen, dass die fünf Krankenhäuser schon seit Oktober 2005 von einer gemeinsamen Führung geleitet worden seien. Dadurch hätten sich Einsparpotenziale beispielsweise bei der Radiologie, beim Einkauf von Medizinbedarf oder Sterilgutversorgung aufgetan.

Wuttke verweist auch darauf, dass das Schwerpunktkrankenhaus in Kaufbeuren mit 360 Planbetten im vergangenen Jahr rund 1000 Fälle mehr als 2005 vorweisen konnte. Die Patientenzahl sei auf rund 15 000 gestiegen. 'Und das ohne dass im Gegenzug die Patientenzahlen in den Kreiskliniken sanken.'

Kaufbeuren als zentrale Klinik bekommt aber noch weitere neue medizinische Angebote. 'Wir haben noch einen Oberarzt für die Kardiologie geholt, so dass wir nun für die Stadt und den Landkreis eine 24-Stunden-Bereitschaft für den Linksherzkatheter und die Ballondilatation vorhalten können.' Beides ist wichtig für die Behandlung eines akuten Herzinfarktes.

'Einen weiteren Oberarzt einzustellen, war eine unternehmerische Entscheidung. Früher hätte man gesagt: Das ist uns zu teuer.' Dies habe nun zu Patientenwachstum geführt. Geplant ist zudem mit der Verlagerung der Neurologie zum Klinikum eine Schlaganfall-Einheit (Stroke-Unit) einzuführen. Ziel für Kaufbeuren ist ferner, vor allem schwerere Fälle zu versorgen.

Im Umkehrschluss eröffnet sich auch eine Chance zur Grundversorgung für die Kliniken in Marktoberdorf, Füssen, Buchloe und Obergünzburg. Rund um das Krankenhaus in Füssen, das bald saniert wird, entsteht beispielsweise ein 'Gesundheitspark' mit Ärztehaus und Seniorenzentrum.

Auch für Marktoberdorf gibt es Schwerpunktbildungen - nicht nur im medizinischen Bereich. Vorgesehen ist beispielsweise, in der Kreisstadt ein Fortbildungszentrum einzurichten (siehe Info-Teil).

'Wir wollen in die Gewinnzone kommen', gibt Wuttke für alle fünf Häuser als Devise neben der Grundversorgung aus. 'Das ist schon deshalb nötig, weil sich der Staat immer mehr aus der Krankenhausfinanzierung zurückzieht.' Das erfordere aber eine 'stringente Führung in allen Häusern'. Die Chefärzte hätten mit ihren Wünschen nach Investitionen (für neue Diagnose- und Behandlungsmethoden) natürlich recht. 'Aber es geht nicht alles auf einmal, also muss man die dringlichsten Sachen zuerst machen.'

Das könnte Sie auch interessieren

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen
Powered by Gogol Publishing 2002-2018