Kleines Kaufhaus kommt groß heraus

Von Ralf Lienert Kempten - Ein traditionsreiches Modehaus rückt wieder ins Blickfeld der Kemptener. Das Geschäft der Familien Fillisch, Zintl und Mannheimer ist zwar schon jahrzehntelang Geschichte, doch im Allgäu Museum steht nun eine Nachbildung des bedeutenden Hauses. An der Ecke Residenzplatz/Königstraße erlebte es seine Blüte. Die Miniatur ist im Besitz des Bayerischen Nationalmuseums München. Jetzt steht sie bis Ende 2007 in Kempten. Zu den bedeutendsten Geschäften der Stadt gehörte das 1884 in der Gerberstraße 33 eröffnete Modehaus des Kaufmanns Ferdinand Fillisch. Er war 1878 von Fürth nach Kempten gekommen und hatte sein erstes Geschäft im Basar der ehemaligen Hofapotheke an der Feilbergstraße eröffnet hatte. 1897 verkaufte Fillisch seinen Laden an den Nördlinger Kaufmann Ferdinand Zintl (1863 - 1930), der es unter dem Namen Fillisch fortführte. Zusätzlich zum Stammgeschäft wurde 1899 ein weiterer Standort im prächtigen Neubau an der Ecke Klostersteige/Residenzplatz eröffnet. Gerade im historischen Grenzbereich zwischen Altstadt und Neustadt florierte das neue Modehaus. Die Inhaberfamilie Zintl genoss gesellschaftliches Ansehen und erfreute sich großer Beliebtheit, so Stadtarchivar Dr. Franz-Rasso Böck Mode Fillisch gehörte zu den Geschäften mit den größten Inseraten in den Tageszeitungen. Stolz firmierte das Haus am Residenzplatz als 'renommiertestes Kurz-, Weiss-, Woll- und Manufakturwaren-Geschäft' oder 'Das führende Modenhaus' mit dem Hinweis 'Umtausch gerne gestattet'. Das Sortiment bot auf vier Etagen Bekleidung und Wäsche für Herren, Damen und Kinder an, Aussteuer-Artikel und Bettwäsche, aber auch Vorhang- und Seidenstoffe sowie Sport-Artikel, zu denen bereits Skiausrüstung zählte. Nicht umsonst verwies Fillisch selbstbewusst darauf, 'stets Neuheiten' zu führen.

Spielzeug für die Töchter Das Haus an der Gerberstraße betrieb Zintl bis etwa 1906, so der Volkskundler Dr. Werner Scharrer, der sich intensiv mit der Hausgeschichte auseinander gesetzt hat. Dann sei Zintl nach München gezogen und habe ein Jahr später seinen Bruder Karl Christian als Geschäftsführer eingesetzt. Für seine beiden Töchter Emilie Sophie Kunigunde und Sophie erwarb er in München ein Miniatur-Kaufhaus. Inhaltlich entspricht es grob dem Sortiment des Textil-Hauses', so Scharrer. Nach dem Tode seines Bruders führte Ferdinand Zintl das Geschäft zehn Jahre fort. Nach seinem überraschenden Tod am 24. März 1930 verkaufte seine Witwe Sophie das Geschäft an den Kaufmann Jakob Mannheimer. Nach den Geschehnissen rund um die Machtübernahme der Natioanlsozialisten 1933 und den einsetzenden Repressalien gegenüber jüdischen Geschäftsinhabern war auch Mannheimer gezwungen, sein Geschäft 1937 zu schließen. 'In den Räumen eröffneten am 1. März 1938 die Gebrüder Oberpaur ein Modehaus für Herrenkonfektion. Sie waren schon in der Gerberstraße 35 Nachbarn von Fillisch/Zintl gewesen', so Dr. Scharrer. Das Ehepaar Klara und Jakob Mannheimer wanderte am 15. März 1939 nach New York aus. Die Tradition eines Modehauses am Residenzplatz lebt bis heute mit dem Herrenhaus Oberpaur fort, das seit vier Jahren von Roland und Monika Aberle geführt wird. Das Puppenhaus war nach Zintls Tod von dessen Witwe dem Bayerischen Nationalmuseum überlassen worden. Die Kosten für den Spezialtransport von München nach Kempten über 3600 Euro übernahmen die Kemptener Museumsfreunde. i Sonderführungen zum Kaufhaus Zintl sind am 18. Dezember und 8. Januar jeweils um 14 Uhr im Allgäu-Museum.

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