Klare, aber dicke Luft in den Kneipen

Von SUSi Donner | Lindenberg Seit dem ersten Januar gilt in ganz Bayern das absolute Rauchverbot in öffentlich zugänglichen Räumen. Ein Gesetz, das vor allem die Kneipenwirte empfindlich trifft, wie sich bereits nach dem ersten rauchfreien Wochenende auch in Lindenberg herausgestellt hat. Die Luft in den Kneipen ist zwar frisch und frei von blauem Dunst - dafür aber geladen vom Unmut und Ärger der Gäste, denen ihr Glimmstängel zum Bier und zum Gespräch mehr fehlt, als viele erwartet haben.

Markus Steurer, Inhaber des 'V 8', ist 'stinksauer'. Wer sich im 'V 8' am Freitagabend und am Samstag umgeschaut hat, weiß wieso: Es herrschte trostlose Leere. Die Gäste reagieren extrem verärgert und aufgebracht über das Gesetz. 'Freitag und Samstag ist bei uns sonst voll - auch ohne besondere Veranstaltung. Die beiden Tage waren deprimierend.' Das Schlimmste ist für Steurer, dass er keine Lösung anbieten kann. 'Die Stimmung bei uns ist am Boden. Die paar Leute, die da waren, mussten wir beruhigen - die gehen fast aufeinander los!'

Er überlege bereits jetzt mit seinen Angestellten, wie sie Arbeitsstunden einsparen können. 'Ich habe wirkliche Existenzängste und bin überzeugt, dass durch das Nichtraucherschutzgesetz viele kleine Gastronomen und damit Arbeitsplätze zerstört werden. Wenn für uns die Möglichkeit zu einem Raucherzimmer bestünde, wäre alles kein Problem', bedauert er. Er habe viel Geld investiert für den Umbau im V 8, als es vor drei Jahren hieß, dass das Gesetz kommt und dass separate Räume für Raucher und Nichtraucher eingerichtet werden müssen. 'Geld, das ich auch zum Fenster hinauswerfen hätte können - jetzt, da in Bayern das Gesetz noch verschärft wurde.'

Ebenso findet er es 'völlig daneben', mitten im Winter mit dem Rauchverbot zu beginnen. 'Da tut die Umstellung doch besonders weh, wenn die Raucher sich draußen alles abfrieren.'

Die Kunst eines Wirtes - vor allem in der Kneipenszene - sei es doch, seine Gäste glücklich zu machen, ihnen eine Atmosphäre zu bieten, in der sie sich wohl fühlen. Genauso sieht das auch Gerhard Fink vom 'Kurakura'. Er hat wohl das dramatischste Wochenende hinter sich.

'Ich bin überzeugter Nichtraucher und ich finde es absolut toll, dass die Luft in meiner Kneipe so sauber ist und ich weiß, dass das auch die meisten Raucher anspricht', schickt er voraus. 'Aber ohne ein Extrazimmer, gut gelüftet und warm, dass wir den Rauchern bieten können, kann es nicht funktionieren.' Er hatte am Freitag Party im 'Kurakura'. Nach Mitternacht sei die Situation eskaliert. Beim ständigen Raus und Rein der Raucher hätten er und seine Mitarbeiter völlig den Überblick verloren: 'Wer hat schon bezahlt, wer haut einfach ab, welcher Platz ist belegt?' Eine funktionierende multifunktionelle Gastronomie mit Essen, Trinken und Party sei nicht mehr möglich.

Zudem komme einfach keine schöne Stimmung mehr auf, nur noch Unruhe und Aggression. Am allerschlimmsten findet Fink: 'Trotz drei Security-Leuten kam es zur massiven Lärmbelästigung meiner Nachbarn, mit denen ich bisher ein perfektes Verhältnis hatte, weil ich alles getan habe, um für Ruhe zu sorgen - auch bei Partys.' Freitagnacht wurde es vor dem 'Kurakura' so schlimm, dass es zu Schlägereien kam und die Polizei anrücken musste.

'Der Eingriff in unsere unternehmerische Freiheit, hat kommunistische Züge angenommen', klagt Gerhard Fink. So sehr er persönlich für Nichtraucherschutz sei, als Wirt müsse er seinen Kunden eine Lösung anbieten können, sonst bleiben sie weg. 'Wenn sie mir jetzt auch noch die Heizstrahler verbieten, höre ich auf!'

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