Kinderängste sind in gewissen Phasen ganz normal

Buchloe(uta). - 'Hilfe, in meinem Zimmer ist ein Monster!' - Unter diesem Titel referierte Psychologin Martina Kokorsch beim Buchloer Elternforum über Kinderängste. Die Veranstaltung des örtlichen Kinderschutzbundes fand im Hort an der Grundschule statt. In bestimmten Phasen, so Kokorsch, seien Kinderängste durchaus normal. Sie signalisierten Unsicherheit, Erregung oder Spannung - etwa beim Eintritt in den Kindergarten. Professionelle Hilfe sei notwendig, wenn die Angststörungen das Alltagsleben beeinträchtigen. Abgesehen von der klassischen 'Acht-Monats-Angst' bei Säuglingen treten laut Kokorsch bei Kleinkindern oft Ängste nach einer Zeit mit viel Nähe zur momentanen Bezugsperson oder nach einer kurzen oder chronischen Krankheit auf. Ebenso könnten Ängste nach Wachstumsschüben oder Entwicklungsschritten vermehrt vorkommen. Aber auch alltägliche Widrigkeiten wie Streit unter Geschwistern oder schlechte Schulnoten begünstigten Ängste, ebenso wie ein Umzug, der Tod oder Verlust eines Familienangehörigen oder Haustieres. Neigen Eltern selbst zu Ängsten und Angststörungen, sind ihre Kinder ebenfalls gefährdet. Trennungsängstlichkeit, etwa beim Kindergarteneintritt, werde vom Loslassen-Können der Eltern mitbeeinflusst. Die Referentin riet, eine Bindung des Kindes zu mehreren Bezugspersonen vor dem 'Tag X' zu fördern. Die Trennung der Eltern wiederum löse einen Trauerprozess beim Nachwuchs aus. Hier gelte es, kindgerechte Erklärungen für die Probleme zu geben - mit dem versöhnlichen Schluss: 'Wir schaffen das gemeinsam.' Dem Kind müsse versichert werden, dass Mutter und Vater ihm erhalten bleiben, dass es von beiden weiter geliebt wird und dass es nicht die Verantwortung für die Trennung trägt. Viel Zeit nahm das Thema Angstträume ein. Meistens setzen diese laut der Referentin ab dem 'magischen Alter' um vier Jahre herum ein, wobei Jungen im Kindergartenalter häufiger betroffen seien, im Grundschulalter kehre sich das Verhältnis um. Albträume handelten oft vom 'Verfolgtwerden' und 'Bedrohtsein' oder vom Tod, Aggressoren seien meist Monster - und das auch bei Kindern, die so gut wie gar nicht fernsehen. Lösungsansätze müssen Kokorsch zufolge maßgeschneidert sein. Zunächst sollte der Tag ruhig und mit einem schönen Abendritual ausklingen, zum Beispiel mit einem Bilderbuch oder einer erfundenen Geschichte. Die Träume selbst, so betonte die Referentin, sollten tagsüber besprochen oder aufgemalt werden, möglichst soll gemeinsam ein 'gutes Ende' erarbeitet werden. Der 'Nachtschreck', bei dem die Kinder bis zu 20 Minuten lang nicht ansprechbar sind, und auch das Nachtwandeln hätten eine andere Dimension, seien noch nicht ganz erforscht und noch nicht endgültig medizinisch behandelbar. Bei älteren Kindern sei die Schul- und Prüfungsängstlichkeit ein weiteres Thema. Hier sollte die Schulform besonders beim Übertritt nach der vierten Klasse den Möglichkeiten und Begabungen des Kindes entsprechen und es nicht überfordern. Auch das Kind selbst sollte nicht von übersteigertem Leistungswillen getrieben sein. Es helfe oft, im Gespräch mit der Lehrkraft zu bleiben, so Kokorsch.

Positive Botschaften wichtig Auch Entspannungstechniken oder Selbstberuhigungen wie Traumreisen oder Lesen böten Hilfe. Erziehungsstil und Sprache spielten ebenfalls eine Rolle bei der Bewältigung von Ängsten. Es gelte, positive Botschaften zu vermitteln, etwa: 'Fahr bitte auf dem Bürgersteig, da ist der Weg breiter' statt 'Fahr nicht auf die Straße, sonst wirst du umgefahren'. An erster Stelle steht für die Psychologin: Sicherheit geben und durch Ermutigung und Lob den Selbstwert stärken. Eltern sollen immer zuhören und auch 'Problemchen' ernst nehmen. Kindern helfe es, zu wissen, dass andere Kinder auch Ängste haben. Kuscheltiere, Traumfänger, gebastelte Schutzengel, 'Monstersprays' oder Sorgenpüppchen könnten Halt geben. Für größere Kinder empfahl sie einen Detektivbogen für die Suche nach den 'Übeltätern' und Rollenspiele.

Das könnte Sie auch interessieren

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen
Powered by Gogol Publishing 2002-2018