Kinder drücken Gefühle mit Stift und Pinsel aus

Memmingen (bsk). - In bunten Holzrahmen eingefasst hängen die Werke der jungen Künstler an großen Stellwänden. Fast alle Motive leuchten in kräftigen, hellen Farbtönen. Sichtlich interessiert versuchen die Besucher der Vernissage im Memminger Klinikum die Aussagen der teils abstrakten Darstellungen zu deuten. Mal ist ein brennendes Wohnhaus zu sehen, mal eine Blumenwiese, über der sich ein Regenbogen erstreckt. Die Künstler, bei denen es sich um die Kinder der Vernissage-Besucher handelt, helfen dabei, die Motive zu erklären. 'Meine Patienten versuchen mit den Bildern, ihre Probleme und Gefühle darzustellen, die sie anderweitig nicht ausdrücken können', betont Bärbel Miosga. Die Ergotherapeutin arbeitet im Sozialpädiatrischen Zentrum (siehe Wortweiser) der Memminger Kinderklinik. und hat die Vernissage - mit Kunstwerken ihrer jungen Patienten - auf die Beine gestellt. Zunächst kamen nur deren Eltern und die Teilnehmer einer medizinischen Fachtagung in den Genuss der bunten Bilder. 'Es wäre aber auch durchaus vorstellbar, sie irgendwann öffentlich auszustellen', sagt Miosga. Auf welche Weise Kinder und Jugendliche im Sozialpädiatrischen Zentrum (SPZ) behandelt werden, ist laut Dr. Johannes Neuberger, Oberarzt der Memminger Kinderklinik und SPZ-Leiter, genau so unterschiedlich wie die Krankheiten, an denen die Patienten leiden. Manche müssten verstärkt von Logopäden unterrichtet werden, bei anderen liege der Behandlungs-Schwerpunkt mehr bei der Krankengymnastik oder eben der Ergobeziehungssweise Beschäftigungstherapie. 'Mit letzterer Methode sollen unter anderem die Fein- und Grobmotorik sowie das selbstständige Denken und Handeln geschult werden', erläutert Neuberger. Auch die Behandlungsdauer variiere je nach Krankheitsbild der behinderten oder verhaltensauffälligen Kindern zwischen wenigen Wochen und mehreren Jahren.

'Sich selber kennen lernen' Wenn Ergotherapeutin Miosga den Kindern Malstifte und Wasserfarben gibt, möchte sie, dass ihre jungen Patienten 'alte Denkweisen über Bord werfen und sich selbst besser kennen lernen'. Feste Regeln gebe es dabei nicht. 'Die Kleinen können malen, was sie wollen, ohne dass ihnen jemand reinredet', sagt Miosga. Bei fast allen Patienten steigere sich die Qualität der Bilder im Laufe der Therapie. 'Viele haben am Anfang nur ein sehr geringes Körperbewusstsein und malen zum Beispiel Menschen ohne Arme', so die Ergotherapeutin. Egal was die Kinder und Jugendlichen malen und zeichnen würden, es sei immer ein Ausdruck ihrer Gefühlswelt. 'Man darf die Bilder nicht einfach als Kritzelei abtun. Die Vernissage soll das verdeutlichen.'

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