Stein / Oberallgäu
«Kinder brauchen Wurzeln und Flügel»

Mein Kind schläft nicht durch. Wie setze ich Regeln und warum sind diese notwendig? Es sind die einfachen Fragen, die Eltern beschäftigen. Beruf, Umzüge und Partnerwechsel zollen ihren Tribut in einer Gesellschaft, die sich durch Leistung und Flexibilität definiert. Fährt unsere Gesellschaft familienpolitisch an die Wand?

«Der tägliche Spagat zwischen Beruf und Familie kann in unserer Fun- und Spaßgesellschaft nicht mehr bewältigt werden», konstatiert Ludwig Keller, Rektor der Volksschule in Oberstaufen. Beim ersten von drei Seminaren der Katholischen Landvolkgemeinschaft des Dekanats Sonthofen zeichnete der Pädagoge das Bild der Anforderungen. Über- und Unterforderung, Ausleseprozess, Werteverfall und fehlende Vorbilder stellten Kinder und Eltern auf eine harte Probe. Zum Thema «Was braucht mein Kind?» referierte Keller gemeinsam mit fünf Experten.

Die klassischen Erziehungs-Institutionen Familie, Kindergarten und Schule ergänzten heute neue soziale Netzwerke wie Kindertagesstätte, private und staatliche Betreuungseinrichtungen sowie Freunde.

Martina Haugg, pädagogische Geschäftsführerin des Familienzentrums Rockzipfel in Sonthofen versucht vor allem, Eltern in schwierigen Lebenssituationen bei den wesentlichen Herausforderungen zu unterstützen: «Wichtig ist für die Kinder eine gute Betreuung: liebevolle und aufmerksame Bezugspersonen, die ein Geborgensein vermitteln.» Es sei wissenschaftlich erwiesen, dass im ersten Lebensjahr die feinfühlige Zwiesprache zwischen Eltern und Säuglingen deren Entwicklung maßgeblich beeinflusse.«Eine gesunde psychische Entwicklung basiert auf diesem Vertrauensprogramm», erklärt Renate Müller vom Kinderschutzbund Immenstadt. «Im ersten Lebensjahr kann man nicht genug verwöhnen - Verwöhnung gibt es hier nicht.

» Dabei entscheide aber nicht die Quantität, sondern die Qualität der Betreuung für Sabine Ermer von der Kita in Sonthofen: «Eltern brauchen praktisches Handwerkszeug und soziale Netzwerke.»

Auf wenige Worte gebracht beschreibt Haugg ihren Leitfaden: «Kinder brauchen Wurzeln und Flügel. Wurzeln heißt bedingungslose Zuneigung und Respekt dem Kind gegenüber. Flügel bedeutet: den Nachwuchs rechtzeitig in die Freiheit entlassen.» Mit den geflügelten Worten «Eltern sein, bedeutet Verzicht, aber Kinder bedeuten Sinnstiftung - es loht sich», schloss die Podiumsdiskussion. Das Seminar wird am 20. und 27. Januar im Pfarrheim in Stein fortgesetzt.

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