Buchloe
«Keiner interessiert sich mehr für die Impfung»

Ruhig geworden ist es um die Schweinegrippe. Berichte um Erkrankungen gibt es nur noch selten, die Impfung wird kaum noch nachgefragt. Obwohl die Pharmaindustrie bis vor wenigen Wochen nicht ausreichend Impfstoff produzierte, liegen nun viele Impfdosen ungebraucht in den Regalen der Apotheken.

Das bestätigen auch die Buchloer Apotheker. «Etwa seit Mitte Dezember interessiert sich keiner mehr dafür», berichtet Elke Klingner von der Anna- und der Stadt-Apotheke. In ihren Kühlschränken lagern derzeit noch rund 450 Impfdosen, haltbar bis September 2011. «Das ist vom Platz her kein Problem», sagt sie. Bislang weiß sie aber nicht, «wie das Ganze letztendlich abgerechnet wird».

Die Kosten für den Impfstoff trägt die Landesregierung, erklärt Klingner. Das war nicht immer so klar. Zunächst war geplant, dass die Apotheker für die Großpackungen des bestellten Impfstoffs in Vorleistung gehen müssen. «Das sind bei 500 Impfdosen rund 6000 Euro», sagt Martin Wiesner von der Marien-Apotheke.

Die Buchloer Apotheker hätten sich deshalb untereinander abgesprochen. «Schließlich haben wir aufgrund unserer Monopolstellung ja auch die Pflicht, die Leute ausreichend mit Impfstoff zu versorgen», so Wiesner.

Doch die Nachfrage war Anfang November nur gering. Gleichzeitig konnte der Impfstoff jedoch nur als Großpackung mit 500 Impfdosen bestellt werden. Deshalb waren kurzfristige Absprachen zwischen Arzt und Apotheker nötig, um nicht auf dem teuren Impfstoff sitzen zu bleiben.

Dann jedoch wendete sich das Blatt: Die Zahl der Erkrankten stieg und die Nachfrage nach der Impfung schoss etwa ab Mitte November bundesweit derart in die Höhe, dass der gesamte Impfstoff innerhalb kurzer Zeit ausverkauft war.

Zugleich wurde auch die Bezugsart des Impfstoffes für die Apotheken geändert: Sie erhalten den Impfstoff zwar wie bisher über den Großhandel, müssen ihn jedoch nicht kaufen. Er bleibt bis zur Abgabe an die Hausärzte im Besitz der jeweiligen Landesregierung.

Schwer vorhersehbarer Verlauf

«Diese Änderung war für uns Apotheker wichtig, da wir so Impfstoff vorrätig haben können, ohne hohe finanzielle Verluste in Kauf nehmen zu müssen», betont Dr. Josef Krutel von der Hindenburg-Apotheke. So sind die Apotheken keinem unmittelbaren Kostenrisiko mehr ausgesetzt. Auch dann nicht, wenn - wie momentan - bestellte Impfdosen im Regal liegen bleiben. Cornelia Christoph von der Nepomuk-Apotheke hat sich mittlerweile von sämtlichen Impfdosen getrennt. «Es frägt keiner mehr danach», sagt sie. Im Notfall könne sie den Impfstoff jedoch «schnell von einer befreundeten Apotheke besorgen».

«Der Verlauf der Grippewelle war sehr schwer vorauszusehen», sagt Apotheker Wiesner: «Vieles erweist sich jetzt als Panikmache, doch wenn man nichts gemacht hätte, hätte es sicher einen gewaltigen Aufschrei gegeben». Dem schließt sich auch Dr. Krutel an: «Hinterher ist man immer schlauer. Der Verlauf ist zum Glück weniger schlimm als befürchtet.» Doch, warnt der Apotheker, Grippe verlaufe stets in Wellen. «Und ich denke, wir sind immer noch mittendrin.» «Wenn man sieht, wie es die Leute, die an Schweinegrippe erkrankt waren, gebeutelt hat, macht die Impfung Sinn, auch jetzt», sagt Dr. Krutel.

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