Memmingen
«Keine schlauen Ratschläge»

Acht Frauen sitzen um den Wohnzimmertisch ihrer Gastgeberin. Sie unterhalten sich über ihre Kinder, erzählen von Begebenheiten rund um Prinzessin Lillifee, Diddl, Fastfood, Alkohol und Markenkleidung. Im Mittelpunkt der von Christa Hering moderierten Gesprächsrunde steht an diesem Vormittag das Thema Konsum. Der Elterntalk (siehe Infokasten) ist ein bayernweites Projekt der Aktion Jugendschutz.

Bunte Karten liegen auf dem Tisch. Sie zeigen Lippenstift und Lidschatten, Markenkleidung, Barbiepuppen, Gameboys, Hamburger und Pommes. Hering bittet die Mütter am Tisch: «Sucht euch eine Karte aus und erzählt, warum ihr euch für diese entschieden habt.» Denn sie habe die Erfahrung gemacht, dass Themenkarten den Einstieg ins Gespräch erleichtern. Und tatsächlich - die Frauen überlegen nicht lange und greifen zur Fastfood-Karte, zur Schmink-Karte, zur Taschengeld-Karte. Auch das Thema Markenkleidung beschäftigt die Mütter. In entspannter Atmosphäre kommen sie schnell ins Gespräch.

Eine Mutter spricht ihre Erfahrungen mit Markenkleidung an: «Unser Sohn zahlt von seinem Taschengeld die Hälfte der teuren Klamotten.» Die Mütter in der Runde lauschen gespannt. «Das muss ich auch mal ausprobieren», sagt eine von ihnen. Und so geht es hin und her, die Mütter tauschen ihre Erfahrungen aus über Kinder, die Fastfood nicht widerstehen können, obwohl zu Hause ein gesundes Essen auf dem Mittagstisch steht, über Mädchen, die Prinzessin Lillifee lieben und Jungs, die nicht vom Gameboy lassen können.

Gemeinsamer Nenner

Die Herkunft der Frauen ist unterschiedlich - sie stammen aus Deutschland, China, Vietnam, Russland und aus der Türkei. In Erziehungsfragen finden sie schnell einen gemeinsamen Nenner. «Es funktioniert nicht, wenn man daheim das Gegenteil macht von dem, was man predigt», stellt Hering fest.

Wie solle man zum Beispiel den Kindern verbieten, vor dem Fernseher zu essen, wenn man das hin und wieder selbst gerne mache? Und lässt sich Alkoholkonsum untersagen, wenn man zu festlichen Anlässen selbst ein Glas Wein trinkt?

Die Frauen sind sich einig: «Verbieten ist immer schwierig.» Wichtig sei deshalb, die Kinder und Jugendlichen in ihrer Persönlichkeit zu stärken. «Selbstbewusste Mädchen und Jungen können dem Druck der Gruppe eher widerstehen», so die Erfahrung der Eltern. Als das Problem Internetnutzung der Kinder angesprochen wird, bietet Hering an, für dieses Thema einen neuen Termin zu vereinbaren. «Dann kann ich Broschüren mit hilfreichen Internetadressen mitbringen», so die Moderatorin.

Sabine Roß, Regionalbeauftragte für Elterntalk in Memmingen betont: «Es gibt bei uns keinen Vortrag, keine schlauen Ratschläge, kein richtig oder falsch. Denn die Eltern sind selbst die Experten.»

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