Kaufbeuren
Keine Bilder, aber immerhin eine Duftkerze

Schon im Treppenhaus empfängt den Besucher der feine Geruch guter Küche. Nach dem Einlass in das Reich von Petr Sikora wird aus der Vermutung Gewissheit. «Ich mag kein Fast-Food, daher bekoche ich mich selbst - diesmal gab es Gulasch», erklärt der 39-Jährige. Nach sieben Jahren in Dresden ist für den Stürmer der Wechsel zum ESV Kaufbeuren ein echter Jungbrunnen. «Früher wollte ich immer etwas Neues erleben, aber je älter man wird, desto schwieriger ist der Umgang mit Veränderung. Trotzdem tut mir dieser Tapetenwechsel gut und gibt neue Motivation», sagt Sikora.

Motivation für dekorative Innenausstattung ist damit allerdings nicht gemeint. «Es fehlt hier wohl eine Frauenhand», kommentiert er seine schlichte Einrichtung ohne Bilder an der Wand. Aber halt. So ganz ohne Wohlfühlelemente lebt Sikora dann doch nicht: «Abends mache ich mir oft eine Duftkerze an.» Den Ausgleich zum harten Kufensport findet der Deutsch-Tscheche unter anderem bei leichten Filmen. «Da habe ich einen ganz eigenen Geschmack. Am liebsten schaue ich romantische Filme oder Kinderfilme wie Shrek oder Ice Age», verrät Sikora.

Neben der passiven Erholung auf der Couch ist der Musterprofi jenseits des Trainingsplans sehr diszipliniert: «Ich gehe regelmäßig Fahrradfahren und Joggen, um besser zu regenerieren.» Da Sikora hierfür optimale Voraussetzungen im beschaulichen Allgäu findet, ist die Sehnsucht nach dem Großstadtflair gering.

«Natürlich hat Dresden viel zu bieten, aber ich muss nicht jeden Tag die Frauenkirche anschauen. Ich ziehe viel Kraft aus der Natur», sagt der Routinier. Damit er seine freie Zeit bewusster nutzt, hat Sikora auf einen Internetanschluss in seiner Wohnung verzichtet. «Ich habe früher oft bis tief in die Nacht Online-Schach gespielt. Aber zum einen ist mir die Zeit zu schade und zum anderen bringt das den Rhythmus durcheinander», sagt Sikora.

Anstatt mit Läufern und Türmen verbringt der Angreifer seine Stunden nun mit Teamkollegen. «Wir nutzen gerne den trainingsfreien Montag, um zum Beispiel in die Therme zu gehen oder treffen uns zum Kaffeetrinken», verrät Sikora. Dabei genießt der Neu-Joker in Kaufbeuren seine Anonymität. In Dresden war Sikora eine lebende Legende.

Und die Berühmtheit hatte auch seine Kehrseiten. «Einmal haben mich zwei junge Fans im Supermarkt um ein Autogramm gebeten, als ich gerade einen Kasten Bier und eine Flasche Schnaps für ein Kabinenfest kaufen wollte. Da habe ich natürlich kein gutes Vorbild abgegeben», erzählt Sikora mit einem noch immer sichtbar schlechten Gewissen.

«Ja, das ist er»

Allerdings ist bei einem Besuch mit ihm auf dem Kaufbeurer Weihnachtsmarkt zu erahnen, dass der Center auch in seiner neuen Heimat nicht gänzlich unerkannt bleibt. Einige Passanten drehen sich neugierig zu dem Mann, der da mit beiger Mütze auf dem Kopf und einer Tasse in der Hand an einem Stand lehnt, um. Dem rätselnden Blick, folgt ein selbstsicheres Nicken, als wollten sie sagen: «Ja, das ist er - der Sikora.

» In der Tasse ist natürlich Kinderpunsch, aber ein Autogramm will diesmal niemand.

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