Kempten
Kein Schnaps an Tankstellen eine Schnapsidee?

Wenn es nach Bayerns Innenminister geht, sollen künftig an Tankstellen zwischen 20 und 6 Uhr keine harten Getränke mehr verkauft werden. Damit soll der Alkoholmissbrauch unter Jugendlichen eingedämmt werden. Joachim Herrmann will das Gesetz heuer auf den Weg bringen. Grundsätzlich dagegen wären Tankstellenbetreiber nicht, hieß es bei einer Umfrage. Doch viel bewirken bei Jugendlichen würde ein solches Verbot nicht, sind sie sich einig.

l Was die Tankstellen-Betreiber meinen: Die Jugendlichen können sich den Alkohol auch vor 20 Uhr im Supermarkt kaufen, bringt beispielsweise Armin Briechle, Pächter der Sunoil in der Lindauer Straße, die Bedenken der befragten Betreiber auf den Punkt. «Ich habe nichts gegen das Gesetz», meint Rudolf Echter, Geschäftsführer der Echter GmbH und Betreiber der Agip am Schumacherring. Dort wird bereits von 22 bis 6 Uhr kein Alkohol verkauft. Denn der nächtliche Verkauf bringe einfach Probleme mit sich. Prinzipiell findet Echter es aber bedenklich, dass es immer neue Verbote gibt: «Wenn sich alle an die bestehenden Regeln halten würden, wäre das ausreichend.» Walter Loritz, Verwalter der Jettankstelle an der Lindauer Straße sieht «riesen Probleme mit Jugendlichen und Alkohol». Weil aber auch viele Ältere nach 20 Uhr noch Schnaps kauften, ist er für ein Verbot erst ab 22 Uhr.

l Das meinen die Kunden: «Warum sollten normale Leute nach 20 Uhr keinen starken Alkohol mehr kriegen?», fragt Gerhard Tomecki. Er findet, dass die Entscheidung den Tankstellen überlassen sein sollte. Ein anderer Kemptener steht einem neuen Verbot gleichgültig gegenüber. Er trinke sowieso wenig und wenn, dann kauft er nicht an der Tankstelle», so der 60-Jährige.

Einbußen befürchtet

l So machen es die Nachbarn: In Baden-Württemberg tritt am 1. März ein Gesetz in Kraft, wonach zwischen 22 und 5 Uhr gar kein Alkohol mehr im Einzelhandel verkauft werden darf. Eine Tankstellen-Angestellte im benachbarten Isny befürchtet deshalt schwere Umsatzeinbußen. Schließlich lebten Tankstellen vor allem vom Lebensmittelverkauf. Dabei spiele Alkohol nun mal eine wichtige Rolle.

l Das meint der Verbandsfunktionär: «Sollte das Gesetz kommen, müssten wir damit leben», sagt Gerd Deisenhofer, Mitgesellschafter der Kemptener Firma Präg mit rund 100 Tankstellen in Süddeutschland und Sachsen. Zudem ist er Vorsitzender von Uniti, dem Bundesverband mittelständischer Mineralöl-Unternehmen. Deisenhofer ist zwar gegen zu viele Verbote, kann sich aber einen Kompromiss ab 22 Uhr vorstellen. Schließlich müssen die Tankstellen nicht wieder gut machen, was in Familien schief laufe.

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