Kein Makel für die Ewigkeit

Von unserem Redaktionsmitglied Jürgen Lutz, Der Jahreszeit gemäß stellen wir Ihnen in der nächsten Zeit in loser Reihenfolge Talente im Langlauf aus Kempten und dem Altlandkreis Kempten vor. Den Anfang zu dieser kleinen Serie macht Carolin Haibel aus Durach, die für den Skiclub Kempten startet. Durach - Carolin Haibel (16) hat ein Problem. Eines, das für junge Frauen eher untypisch ist. Sie wiegt zu wenig (50 Kilo auf 1,70 Meter Größe verteilt). Jedenfalls zu wenig, um im Langlauf schon jetzt auf den längeren Distanzen ganz vorne dabei zu sein. Dabei ist der Schützling von Trainer Horst Bausch vom SC Kempten eines der hoffnungsvollsten Talente, das zur Zeit den Schnee im Allgäu pflügt - im Sprint. Größter Erfolg: Rang drei bei der deutschen Meisterschaft im Team-Sprint im Dezember in Rottach-Egern mit der bayerischen Staffel, bei den Frauen. Sie gehört dem bayerischen A-Kader an. Vergangenes Jahr ist sie nur ganz knapp am D/C-Kader des DSV (Deutscher Ski-Verband) vorbeigeschrammt. Und Carolin Haibel hat noch ein Problem. Wäre sie nur drei Stunden später geboren, wäre ihr bislang Vieles leichter gefallen. So aber wurde sie am 31. Dezember 1987 gegen 21 Uhr geboren, was ein Problem ist in einem Sport, der auf Leistungskader aufgebaut ist, dessen Zugehörigkeit neben der Leistung nun mal das Alter regelt. Pech halt. Noch mehr: 'Das ist das Schlimmste, was man sich als Langläufer vorstellen kann', sagt Haibel. Beispielsweise wäre sie beim Deutschland-Pokal (die wichtigste Wettbewerbsserie im Nachwuchs-Langlauf) vor ein paar Tagen in Krün bei Garmisch Zweite statt Achte geworden, hätte sie nur in der anderen Altersklasse laufen dürfen. Nun sind die drei Stunden nicht für die Ewigkeit ihr Makel. Spätestens wenn sie bei den Frauen starten darf, gibt es die Altersklassen nicht mehr. Doch bis dahin ist noch Zeit. Derzeit muss sie gegen Gegnerinnen antreten, die zum Teil fast zwei Jahre älter sind als sie. Die haben naturgemäß mehr Muskelkraft weil körperlich weiter entwickelt. Was kein Vorteil sein muss, wenn es den Berg hinauf geht. Dann sind ein paar Kilo weniger wesentlich leichter nach oben zu transportieren. Doch bergab geht der Nachteil schon wieder los für leichtere Läuferinnen. Und auch auf Dauer, als auf längeren Strecken, ist es auf jeden Fall ein Vorteil, mit mehr 'Muckis' ausgestattet zu sein. Deshalb ist es kein Zufall, dass Carolin Haibel derzeit ihre Chance im Sprint sucht.

'Ich kann essen was ich will' Natürlich käme ihr in der momentanen Phase zu Gute, hätte sie ein paar Kilo mehr auf den Rippen um dann ein paar Körner zuzusetzen. Doch was nicht ist, schafft auch der sehnsüchtigste Wunsch nicht her. 'Ich kann essen, was ich will', sagt die Schülerin (10. Klasse, Hildegardis-Gymnasium Kempten). 'Aber ich nehme nicht zu'. Der Vorteil: Sie muss weder auf Süßigkeiten verzichten, noch irgendwelche anderen Vorsichtsmaßnahmen im Hinterkopf haben, was die Ernährung angeht. 'Ich esse manchmal doppelt so viel, wie die Trainer', sagt sie. 'Ich kann vor dem Wettkampf sogar ein Nutella-Brot essen', sagt Haibel und lacht. Aber wahrscheinlich kommt die junge Duracherin ja mal in die Phase, in der sie dann ganz froh ist, ein paar Kilo weniger mit sich herum zu tragen. Und das kann ganz, ganz schnell kommen.

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