Kaum Beschäftigte entlassen worden

Von Markus Bär, Kaufbeuren - Die Beschäftigten des Klinikums Kaufbeuren-Ostallgäu haben zunehmend Bedenken gegen die angestrebte Privatisierung des Krankenhauses (wir berichteten). Das teilte Personalratsvorsitzender Wolfgang Kurschus mit. Die Befürchtungen würden 'ruhig und sachlich' vorgetragen, von einer Proteststimmung könne keine Rede sein. Nach wie vor seien der Personalvertretung keine Namen von potenziellen Käufern bekannt. Kurschus hat sich aber mit einer Reihe von Studien befasst, die die Übergabe von kommunalen Krankenhäusern behandeln. Anders als in Lindau, wo sich eine Bürgerinitiative gegen die Veräußerung des Krankenhauses wendet, sei in Kaufbeuren die Stimmung sachlich, wenn auch nachdenklich. 'Nachdem aber keine konkreten Namen von Käufern vorhanden sind, kann man einfach noch nicht sagen, was werden wird', so Kurschus. Alles andere wäre unsachlich. 'Wir sind nach wie vor in den Vorbereitungen', erklärt der Verwaltungsratsvorsitzende des Klinikums, Landrat Johann Fleschhut. Demnächst soll der beabsichtigte Verkauf in überregionalen Zeitungen und im EU-Amtsblatt veröffentlicht werden.

Freie Stellen nicht besetzt Kurschus setzt sich inzwischen mit verschiedenen Untersuchungen auseinander. So fand eine von Verdi in Auftrag gegebene Studie des skandinavischen Unternehmensberaters 'PLS Ramboll' heraus, dass Klinikkonzerne in Deutschland nach einer Übernahme von kommunalen Krankenhäusern 'kaum Beschäftigte entlassen. Dies kann insbesondere für den medizinischen Bereich beobachtet werden.' Ein Personalabbau sei eher über die Nichtbesetzung freier Stellen erzielt worden, heißt es in der Studie. Der gleiche Unternehmensberater hat in einer anderen Studie drei 'Große' auf dem Klinikketten-Markt beobachtet und die Situation des Personals bewertet. So erfolge in den Kliniken des 'Rhön-Konzerns' typischerweise in den ersten drei Jahren zwar ein Personalabbau, aber nicht im medizinischen Bereich, sondern im Wirtschafts- und Versorgungsdienst oder beim technischen Dienst. Bei der Arbeitszeit gebe es keine grundlegenden Änderungen. Es komme aber zu einer 'Lohnspreizung', das heißt, Ärzte und Leitungspersonal verdienen etwas mehr - Pflegepersonal und Hilfskräfte etwas weniger als vor der Privatisierung.

Durch Fortbildungen binden Bei den 'Helios-Kliniken' wird laut Ramboll versucht, Pflegepersonal durch Fortbildungen an das Haus zu binden. Dazu habe der Konzern ein eigenes Institut zur Weiterbildung aufgebaut. Die Arbeitsbelastung bei Helios wird mit 'sehr hoch' beschrieben, die Gehälter seien aber im Prinzip an den Bundes-Angestellten-Tarif (BAT) angelehnt, sänken also nicht. Beim Klinikträger Fresenius ist laut Kurschus ebenfalls eine 'Lohnspreizung' zu beobachten. Entlassungen könnten aber nicht beobachtet werden. Arbeitsplätze würden eher nicht nachbesetzt. Kurschus betonte, er habe nach wie vor das Gefühl, dass es den jetzigen Trägern des Klinikums - der Stadt Kaufbeuren und dem Landkreis Ostallgäu - darum geht, einen privaten Träger zu finden, der das Personal nicht schlechter stellt als bisher. Wenn die Wahl allerdings wider Erwarten auf einen reinen 'Gewinnmaximierer' falle, werde die Personalvertretung nicht mehr - wie bislang - kooperieren. Im Klinikum sind rund 780 Mitarbeiter beschäftigt.

Verkauf angeraten In einer Analyse der Universität Bremen wird aus einer sächsischen Krankenhaus-Studie zitiert, die zum Verkauf rät: 'Die Kommunen seien gut beraten, wenn sie möglichst bald Privatisierungen ihrer Kliniken in Betracht zögen. Noch sei die Zeit günstig, in wenigen Jahren werde der Druck so stark steigen, dass für viele Landkreise oftmals nur die Schließung ihres Krankenhauses übrig bleibe.'

Das könnte Sie auch interessieren

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen
Powered by Gogol Publishing 2002-2018