Kapitelweise Wander-Erlebnisse

Sonthofen/Oberstdorf l apü l Was andere auf dem berühmten Jakobsweg nach Santiago de Compostela suchten, hat sie auf dem Weg vom südlichsten zum nördlichsten Ort Deutschlands erlebt. So beschreibt Gerlinde Peters-Büngel ihre Empfindungen bei ihrer Wanderung von Einödsbach nach List auf Sylt. Jetzt liegen ihre Eindrücke vom 1105 Kilometer langen Fußmarsch in Buchform vor. Die Aufzeichnungen der Rentnerin basieren auf ihrem Tagebuch, das sie unterwegs führte.

Nach 43-tägigem Marsch erreichte die frühere Erzieherin - vom Regen auf der Schlussetappe völlig durchnässt, 'aber restlos glücklich' - ihr Ziel am nördlichsten Zipfel der Republik. Unterwegs hatte die Unermüdliche, wie sie jetzt festhält, die 'unmittelbare Begegnung mit der Natur' und mit Gott gesucht. Es war mithin auch eine Pilgerreise.

Eine solche Strapaze hat durchaus ihre unchristliche Tücken. Im Buch liest sich verkürzt eine Stelle so: Wegen Blasen an den Füßen musste ich manche Apotheke am Wegesrand aufsuchen, um mir Verbandszeug zu besorgen. Einmal bekam ich beim Lösen des Verbandes einen Schrecken. Oh, sieht der kleine Zeh schlimm aus! Ich habe Angst vor einer Blutvergiftung! Weil in dem kleinen Dorf, wo sie gerade war, am Sonntag kein Arzt aufzutreiben war, setzte sie sich eine kurze Strecke in den Zug, damit ihr in der Notaufnahme des nächst erreichbaren Krankenhauses geholfen werden konnte. Die Ärzte erteilten ihr eine Woche Wanderverbot.

Ungern erinnert sich Gerlinde Peters-Büngel an eine Episode, in der ihr alles andere als geistlicher Trost widerfuhr. Wie die Pilgerin in ihrem Buch beschreibt, läutete sie ermattet an der Klingel eines Pfarramts, worauf sie durch ein geöffnetes Fenster auf üble Weise abgefertigt wurde. Doch die Reisende erlebte auch Herzenswärme. Plötzlich hielt im Regen ein Auto neben der durchnässten Wanderin. Ein Rentner-Ehepaar packte die Zufallsbekanntschaft in den Wagen, bot ihr Quartier an, gab die Kleider in den Trockner und servierte 'köstliche Bratkartoffeln und Spiegelei'. Für die liebevolle Aufnahme revanchierte sich die Allgäuerin, indem sie von den Schönheiten ihrer Heimat erzählte. Nun wollen die Gastgeber den ihnen unbekannten Landstrich kennenlernen und bei ihrer Freundin Gerlinde vorbeischauen.

Bei ihrer Pilgerfahrt lernte sie auch sich selbst besser kennen. Rückblickend bedauert sie aber, dass sie sich zu wenig Zeit für intensive Gespräche nahm und manche Sehenswürdigkeit verpasste. Das soll anders werden. Die Wandersfrau will Deutschland von Ost nach West durchqueren, von Görlitz an der polnischen Grenze bis nach Selfkant an der Grenze zu Holland.

Gerlinde Peters Büngel: 'Von Einödsbach zur Insel Sylt', 128 Seiten, ISBN 978-3-86805-045-5 'Books on Demand', 16,80 Euro.

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