Rettenberg-Kranzegg
Kanonenschüsse begrüßen 2010

Dass das Neujahrsschießen in Kranzegg einmal so ausgeht wie das berühmte Hornberger Schießen, bei dem den Akteuren noch vor Ankunft des Fürsten das Schwarzpulver ausging, ist unwahrscheinlich. «Wir schauen immer, dass wir genug Pulver dabei haben», lacht Erich Schöll. Der 47-jährige Rettenberger ist Mitglied der «Böllergruppe Grünten». Die Ankunft eines Fürsten kündigen er und seine Vereinskollegen zwar heutzutage nicht mehr an, aber dafür die Ankunft des neuen Jahres: Traditionell wird an Neujahr in Kranzegg ordentlich Krach gemacht.

Für Erich Schöll ist das der Höhepunkt des Jahres, auf den er sich immer ganz besonders freut. «Da zeigen wir, wie wüst wir tun können», erzählt er begeistert. Geschossen wird nach einem bestimmten Schema: Erst ein langsames Reihenfeuer vom kleinsten bis zum größten Kaliber, dann ein schnelles Reihenfeuer im Sekundentakt und schließlich ein gegenläufiges, bei dem sich kleine und große Kaliber abwechseln - am Anfang und am Schluss ertönt jeweils ein Salut. Das lässt den Adrenalinspiegel in die Höhe schnellen und das Herz eines Böllerschützen wie Erich Schöll höher schlagen. «Der Geruch des Schwarzpulvers, die Nebelschwaden, die übers Dorf ziehen - das ist herrlich», schwärmt er. Auch viele Zuschauer sind begeistert von dem Spektakel: Letztes Jahr waren etwa 150 Schaulustige da, erinnert sich Schöll.

Die «Böllergruppe Grünten», die zum Schützenverein Kranzegg gehört, hat knapp 30 Mitglieder, darunter auch drei Frauen. Das älteste Mitglied ist 70, das jüngste 20. Pro Jahr hat die Gruppe neben zwei Übungseinheiten etwa drei bis vier Einsätze - neben dem Neujahrsschießen zum Beispiel bei Schützenfesten oder beim alljährlichen «Kanonen-Biwack» in Triptis bei Jena. Drei Tage lang wird dort gezeltet, gefeiert und geschossen. Neben dem Spaß am Krachmachen ist für Erich Schöll auch dieser Aspekt wichtig: «Die Geselligkeit spielt eine große Rolle.» Die Kameradschaft im Verein drückt sich auch durch das regelmäßige «Zusammenhocken» aus und den Brauch, dass man den anderen einen ausgeben muss, wenn ein Schuss nicht losgeht.

Das könne vor allem dann passieren, wenn man die Kanone schlecht gestopft hat, ein schlechtes Zündhütchen erwischt oder den Böller schlecht gereinigt hat, erklärt Schöll.

Kann der Umgang mit Schwarzpulver und Kanonen nicht auch gefährlich werden? Prinzipiell schon, sagt Erich Schöll, «aber nicht, wenn man sich an die Regeln hält.» Die Böllerschützen tragen einen Gehörschutz und müssen im Besitz des Schwarzpulver-Scheins nach Paragraf 27 des Sprengstoffgesetzes sein. Die Geräte werden im Abstand von fünf Jahren geprüft. Wichtig ist auch, dass beim Schießen genügend Abstand eingehalten wird: fünf Meter zum Nebenmann rechts und links und mindestens 50 Meter zum Publikum - «in der Regel sind es hundert Meter», erklärt Schöll.

Gefährlich werden soll das Lärmen aber vor allem den winterlichen Dämonen: die sollen durch den Brauch nämlich vertrieben werden - damit das neue Jahr unter guten Vorzeichen beginnen kann.

DasNeujahrsschießen der Böllergruppe Grünten findet am Freitag, 1. Januar, um 19.30 Uhr bei der Auffahrt zum Parkplatz der Grüntenlifte statt. Es gibt Glühwein und Kinderpunsch.

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