Junge Menschen verletzen sich selbst

Sonthofen (kjf). Ob Wunden kratzen, Zigaretten auf der Haut ausdrücken oder mit dem Rasiermesser ritzen: Immer mehr Jugendliche und junge Erwachsene fügen sich selbst Verletzungen zu. Das berichtete Dr. Jürgen Groll, Oberarzt der Adula-Klinik in Oberstdorf, dem Arbeitskreis Runder Tisch, zu dem sich Fachleute aus dem Bereich der Jugendhilfe treffen. Groll sprach von einem Trend, mit solchen Selbstverletzungen Stress und Spannung abzubauen. Franz Gailer, Leiter der Erziehungsberatungsstelle der Katholischen Jugendfürsorge und Initiator des Runden Tischs, wies anhand von Beispielen aus seiner Praxis darauf hin, dass seit einem Jahr Jugendliche mit Selbstverletzungen gehäuft in die Beratungsstelle kommen. Eltern wüssten sich, wenn sie überhaupt davon erfahren, oft keinen Rat. Jugendliche und junge Erwachsene, die sich selbst verletzen, stehen laut Dr. Jürgen Groll unter großem inneren Druck, mit dem sie nicht fertig werden.

Dabei seien es zu 80 Prozent Mädchen und Frauen, die sich mit diesem Verhalten eine kurzfristige Erleichterung zu verschaffen suchen, so der Facharzt für Psychotherapeutische Medizin. Die Gründe für Selbstverletzungen könnten vielfältig sein: Wut, innere Leere, Depression, Entscheidungsschwäche, nicht selten aber auch Traumata wie sexueller Missbrauch also Gefühle und Erlebnisse, über die die jungen Menschen nicht reden können oder wollen. Hinzu komme, dass die Einstellung zum eigenen Körper bei vielen Betroffenen negativ gefärbt ist: Sie leiden darunter, den von Medien und Werbung vermittelten Schönheitsidealen nicht zu entsprechen. Oftmals helfe da nur eine Therapie in einer darauf spezialisierten Einrichtung, so Dr. Groll. Die wichtigste Erfahrung dabei dürfte für viele Patienten darin liegen, in der Klinik eine Gemeinschaft zu erfahren, die trägt und in der es nicht notwendig ist, einen Ausweg in Suchtmitteln oder Selbstverletzung zu suchen. Der Austausch von Erfahrung und Hoffnung in der Gemeinschaft helfe gesund zu werden. Da das Einstiegsalter bei Selbstverletzungen sich immer mehr nach unten verschiebt manche Mädchen fangen bereits mit 13 damit an sei Vorbeugung dringend notwendig, so Diplom-Psychologe Gailer. Rat und Hilfe für Betroffene bieten: Psychologische Beratungsstelle in Sonthofen, Telefon: (08321) 5055, Mail: Gailer F@eb-sonthofen. de Und die Adula-Klinik Oberstdorf, Telefon: (08322) 790-0, Mail: info@adula-klinik. de

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