Lindenberg
Junge Jazzer beweisen Mut

Selten kann eine Big Band so viele Solistinnen und Solisten präsentieren. Dass sich beim Herbstkonzert der Gymnasiums-Band in der Schulaula über zehn junge Leute an den Bühnenrand trauten und ihre Improvisationen zum Besten gaben, ist Ergebnis der Motivationskunst von Bandleader Reinhard Sieber. Er fordert seine Leute und lässt ihnen Spielraum. Beim Kombinieren von Anspruch und Spaß beweist er ein glückliches Händchen und verhilft so seinen etwa 30 versierten Musikern zu einer Spielfreude, mit der sie mühelos ihre 300 Konzertgäste mitrissen.

In Memoriam Oswald Demeter

Der Abend war Dr. Oswald Demeter gewidmet, vor sieben Jahren verstorbener ehemaliger Lehrer und begnadeter Jazz-Klarinettist. Als Mitbegründer der Schulcombo, aus der später die Big Band wurde, hat Demeter eine enge Freundschaft mit Reinhard Sieber gepflegt und musikalische Akzente in Lindenberg gesetzt. 80 Jahre alt wäre er heuer geworden. Als Geburtstagsständchen sangen die drei Schülerinnen aus der K13 Monika Hoffmann, Carla Nottberg und Lena Riedl eines seiner Lieblingslieder: «Over The Rainbow». Mit Intensität und beachtlicher Sicherheit interpretierte das Trio die A-capella-Nummer.

Auch an «Sentimental Journey» hätte Demeter seine Freude gehabt, und bei «Rum and Coca Cola» machten die Gymnasiastinnen ihren Vorbildern, den Andrew-Sisters, alle Ehre - der Song fühlte sich an wie ein beschwipster Spätnachmittag unter Palmen.

Wie die Sängerinnen gewannen auch die Instrumentalisten im Laufe des dreistündigen Konzertabends an Selbstbewusstsein. Sieber hatte das Programm, neben den - in Memoriam Oswald Demeter - einstudierten Swing-Klassikern, vielseitig angelegt und schreckte dabei vor schwieriger Literatur nicht zurück: «Dindi» von Antonio Carlos Jobim etwa fordert mit komplizierten Harmonien Band wie Solisten, ebenso das bekannte «Cantaloupe Island» von Herbie Hancock, dessen rhythmische Spannung über die gesamte Länge nicht leicht zu halten ist.

Unter den engagierten Solisten taten sich einige besonders hervor. Darunter etwa Hana Seung mit dem Sopransaxofon, Kai Stiefenhofer mit dem Bariton-Saxofon, Julian Herrmann am Klavier sowie die Posaunisten Daniel Nuber und Alexander Dornach. Beachtliches Format bewies bei den Improvisationen auch der Saxofonist Adrian Sieber.

Verstärkung

Klangvolle Verstärkung erhielt die Big Band wieder einmal durch ehemalige Mitglieder. Dass sie seit ihrem Abschied vom Gymnasium noch eine deutliche Fortentwicklung erlebt haben, war den überlegen improvisierenden Michael Boch, Miriam Wolf und Ignaz Forstmeier anzuhören. Michael Otto unterstützte die Brass-Section.

Sieber-Jazz macht gute Laune

Ihr Herbstkonzert nutzte die Sieber-Band, um noch ein bisschen mehr zu zeigen als eingängige, schmissige Stücke, wie sie die Veranstaltung «Jazz and Käs» dominieren. Am Anfang und Ende des Konzerts stand heuer der Boogie - einmal im anspruchsvollen «Honky Tonk Train Blues» von Meade Lux Lewis, dann in «Boogie Down» von Al Jarreau. Als Klammer um den Abend bewiesen diese Nummern einmal mehr: Sieber-Jazz macht gute Laune.

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