Buchloe / Hamburg
«Jung zu sein, ist keine Entschuldigung mehr»

Geht es ums Eishockey, dann ist Thomas Holzmann so eine Art nationales Aushängeschild für Buchloe. Anfang September startete der 23-Jährige mit den Hamburg Freezers in seine vierte Spielzeit in der Deutschen Eishockey Liga. Im Sommer war der Stürmer von den Kassel Huskies in die Hansestadt gewechselt. Wir haben uns mit ihm über seinen neuen Arbeitgeber und das Leben als Eishockey-Profi unterhalten.

Bremerhaven, Hannover, Kassel, Hamburg. Der Norden scheint es Ihnen angetan zu haben, oder?

Holzmann: Das kann man so sagen. Vor allem Hamburg gefällt mir sehr gut, hier kann man es schon aushalten. Ich wohne gleich in der Nähe der O2 World (in der Arena tragen die Hamburg Freezers ihre Heimspiele aus, Anm. d. Red.), in die Innenstadt ist es auch nicht weit. Ich bin zufrieden.

Zieht es Sie noch oft nach Buchloe?

Holzmann: Dieses Jahr war ich ganz selten in Buchloe, wenn es hoch kommt, drei oder vier Wochen. Da wir auch den Sommer über trainiert haben, war ich die meiste Zeit in Hamburg.

Bei Ihrem neuen Arbeitgeber sind sie einer von 18 (!) Neuzugängen. Die vergangenen Wochen waren bestimmt recht konfus

Holzmann: Mittlerweile sind es sogar schon 20 (lacht). Es sind noch mal zwei neue Spieler dazu gekommen. Aber unter Eishockeyspielern geht das Kennenlernen recht schnell. Wir haben zuletzt zwar viel gespielt und wenig Zeit für anderes gehabt, aber gerade auf Auswärtsfahrten lernt man sich schnell kennen.

Irgendwie mutet die Rochade der Freezers wie ein Versuch mit der Brechstange an. In der Vergangenheit sind die Hansestädter meist mit einem vielversprechenden Kader in die Saison gestartet, das sportliche Ergebnis endete mit gleicher Regelmäßigkeit enttäuschend. Was ist in diesem Jahr drin?

Holzmann: Ich denke, es ist normal, dass ein Verein nach so einer Saison wie der vergangenen viele Spieler austauscht. Dass nur vier Akteure aus dem alten Kader übrig bleiben, ist allerdings schon extrem. Aber wir haben einen neuen Trainer und ein neues System. In der Vorbereitung ist es ganz gut gelaufen. Es ist einiges möglich.

Das heißt?

Holzmann: Die Playoffs sind das erste Ziel. Das sollten wir auf jeden Fall schaffen.

Ihr Trainer Stéphane Richer, der Sie von Kassel mit nach Hamburg genommen hat, sagte unlängst in einem Interview, er erwarte von Ihnen, dass Sie auch als junger deutscher Spieler mehr Verantwortung übernehmen. Nehmen Sie solche Sätze als Vertrauensbeweis beziehungsweise Ansporn oder eher als Bürde?

Holzmann: Schon eher als Ansporn. Ich sehe mich ehrlich gesagt auch nicht mehr als jungen Spieler an, ich hab jetzt schon ein paar Jahre in der DEL gespielt. Da gehört es irgendwann auch mal dazu, dass man Verantwortung übernimmt. Jung zu sein, ist dann keine Entschuldigung mehr, wenn man Fehler macht.

Im November vergangenen Jahres wurden Sie von Bundestrainer Uwe Krupp beim Deutschland-Cup erstmals in die DEB-Auswahl berufen, standen am Ende jedoch keine Minute auf dem Eis. War die Enttäuschung damals groß?

Holzmann: Ja, klar. Natürlich war ich erst mal enttäuscht, dass ich kein Spiel gemacht habe. Aber das ist jetzt bald ein Jahr her. Mit der Zeit sehe ich es eher als Anerkennung, dass ich überhaupt dabei war, dass ich überhaupt eingeladen worden bin.

Da gehört ja auch schon mal was dazu. Und ich werde weiter daran arbeiten, dass ich diese Chance noch mal erhalte.

Sie sind Eishockey-Profi. Ihr letzter Verein, die Kassel Huskies, sind nach den Frankfurt Lions bereits der zweite Klub, der in diesem Jahr mit finanziellen Problemen aus der DEL ausscheiden musste. Kommt man da manchmal ins Grübeln, ob man noch den richtigen Job hat?

Holzmann: Natürlich ist es immer eine schwere Situation, wenn ein Verein Pleite geht. Als ich von Frankfurt und Kassel gehört habe, war das schon ein Schock. Und dann denkt man natürlich auch darüber nach, wie es mit der Liga weitergeht. Ich bin hier allerdings bei einem guten und professionell geführten Verein gelandet. Und mein Vertrag hier läuft zwei Jahre. Damit bin ich zufrieden.

Gibt es bei Thomas Holzmann eigentlich einen Plan B, irgendetwas neben dem Eishockey?

Holzmann: Nein, so weit ist es ja noch nicht. Jetzt bin ich erst mal zwei Jahre hier, ich konzentriere mich aufs Eishockey. Dann sehe ich weiter.

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