Jugendstrafe für sinnlose Einbrüche

Sonthofen (ell). Die drei jungen Angeklagten kicherten, als säßen sie nach einem Schulbuben-Streich vor ihrem Lehrer. In Wirklichkeit aber standen sie vor den Schranken des Sonthofer Amtsgerichts, um sich für mehrere Einbrüche in einem Oberallgäuer Dorf in besonders schweren Fällen zu verantworten. Obs hier was zu lachen gibt, werden wir klären, tadelte Richterin Brigitte Gramatte-Dresse das ihrer Einschätzung nach unreife Trio. Obwohl die beiden Älteren schon 22 Jahre, der dritte 19 Jahre zählten, wurden denn auch alle nach dem Jugendstrafrecht verurteilt. Für Einbrüche und versuchte Einbrüche in ein Vereinsheim, in den Kiosk eines Minigolfplatzes sowie in geparkte Busse und für kleinere Diebstähle verhängte die Richterin über zwei junge Männer Verwarnungen mit Freiheitsarresten (je ein Wochenende) und 1000 Euro Strafe. Bei dem Dritten im Bunde langte sie nach eigener Einschätzung gut hin: Der 22-Jährige erhielt eine Jugendstrafe von neun Monaten zur Bewährung. Weil ihm wegen Trunkenheit am Steuer auch schon die Fahrerlaubnis entzogen worden ist, er aber dennoch einen Wagen lenkte, und ein weiteres Verfahren wegen Körperverletzung ansteht, hatte dem jungen Mann auch der Gerichtsjugendhelfer schädliche Neigungen attestiert. Sein Alkoholproblem soll er nun bei einer stationären Entzugstherapie in den Griff bekommen. Ein richtiger Schmarren wars, was wir da gemacht haben, einfach sinnlos, führte einer der Angeklagten die Einbrüche auf Alkoholkonsum und Geldmangel zurück.

Nachdem sie gemeinsam eine Flasche Wodka und je einen Mohren intus hatten, waren sie mit einem Brecheisen im Dezember letzten Jahres zu dem Vereinsheim gezogen. Geld fanden sie dort aber keines, genauso wenig wie wenig später in einem Kiosk. Noch einmal suchten sie im TSV-Vereinsheim und nahmen von dort einen DVD-Player mit, den die Polizei später bei einem der Drei fand. Geheimknopf bei Bussen Mehrmals versuchten sie auch, geparkte Busse per Geheimknopf zu öffnen, nur einmal fiel ihnen ein Betrag von 80 Euro in die Hände. Auch ein eingeschlagenes Fenster im Rathaus ging auf ihr Konto, wie sie gestanden. Alle drei jungen Leute kommen aus schwierigen familiären Verhältnissen. Bei zwei jungen Männern trennten sich die Eltern. Einer lebte vorübergehend bei einer Tante und dann allein. Der andere kam von der Mutter und ihrem schlagenden neuen Freund schließlich zum Vater. Der am härtesten Bestrafte betreute seine an Krebs erkrankte Mutter, bis sie starb, worauf er nach eigenen Worten mit starkem Alkoholkonsum reagierte. Trotz der tragischen Lebensgeschichten hielt Richterin Gramatte-Dresse eine Schnupperlehre für angebracht: Damit ihr wisst, wies ist, eingesperrt zu sein. Die drei hätten sich bei ihren Einbrüchen unverfroren und vor Gericht nicht reuig verhalten.

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