Sonthofen / Oberallgäu
Jugendhilfe: Die Kosten schießen weiter nach oben

Die Jugendhilfe bleibt ein Sorgenkind im Oberallgäu. Die seit Jahren steigenden Ausgaben schießen weiter in die Höhe. Heuer sollen die Kosten für den Landkreis unterm Strich um zehn Prozent auf knapp 8 Millionen Euro steigen. Und da ist der Lohn für 40 Kräfte im Landratsamt noch gar nicht eingerechnet, ebenso wenig die Raumkosten. Allein die Personalausgaben für 19 Sozialpädagogen und 21 Verwaltungskräfte summierten sich 2009 auf knapp 1,8 Millionen Euro. Acht dieser Mitarbeiter entlohnt direkt der Freistaat, also letztlich auch der Steuerzahler.

Die 8 Millionen Euro für die eigentliche Jugendhilfe reichen nur, wenn heuer die Fallzahl nicht weiter steigt. Doch in den Vorjahren gelang es auch nicht, die Fallzahl stabil zu halten. Da liegt der Hase sozusagen mit im Pfeffer: Viele Fälle der Jugendhilfe sind nicht hausgemacht, sondern zugezogen. Konkret: «60 Prozent der Jugendhilfe-Fälle, die das Oberallgäu finanziert, sind nicht hier geboren, sagt Abteilungsleiter Eduard Waibel vom Landratsamt. Die Zuzugsquote sei doppelt so hoch wie in anderen Landkreisen.

Die Frage, wer zahlen muss, landet dann auch mal vor Gericht. Um satte 180000 Euro geht es etwa in dem Rechtsstreit zwischen den Landkreisen Oberallgäu und Kassel um eine Familie, die vor mehreren Jahren zuzog. Seitdem sind die Kosten für den Heimaufenthalt eines Kindes aufgelaufen. Das Oberallgäu will nicht zahlen, fürchtet aber, vor Gericht zu verlieren.

Auch die Zukunftsaussichten sind laut Jugendamtsleiter Martin Bartl nicht rosig: Denn dass die typischen Klienten des Jugendamts (14- bis 19-Jährige) derzeit geburtenschwache Jahrgänge sind, schlage sich auch nicht nieder. Zugleich unterstreicht Bartl, dass 98 Prozent der Familien im Oberallgäu ihre Erziehungsarbeit gut machen, denn nur zwei Prozent der Jugendlichen sind «Kunden» des Jugendamts.

In der Debatte im Kreisausschuss erklärte Bartl auf Anfrage unter anderem, dass ein Heimaufenthalt nicht unbedingt das Teuerste ist: «Eine hoch dosierte ambulante Hilfe kann teurer sein.» Hilfen für junge Volljährige seien wichtig, da man 18-Jährigen nicht während der Ausbildung den Boden unter den Füßen wegziehen wolle. Allerdings könne man vielleicht manchen statt im Heim auch in einem «betreuten Wohnen» begleiten.

Die Anmerkung, dass eine Heimunterkunft für «noch nicht versaute Kinder» Gift sei, weil labile Jugendliche da binnen acht Wochen alles Weitere lernen und abrutschen könnten, wollte Bartl nicht bestätigen: Es gibt solche und solche Fälle.»

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