Geschichte
Johann Balthasar Ehrhart - Der unbekannte Kaufbeurer Botaniker

Beharrlichkeit führt zum Erfolg. Das scheint sowohl für den Kaufbeurer Botaniker Johann Balthasar Ehrhart als auch für die Wissenschaftlerin Ruth Heinzelmann zu gelten. Ehrhart gilt als eher unbekannter Mann, wurde aber aufgrund des regen Briefwechsels mit dem Mediziner Christoph Jacob Trew nun ein wenig in die Öffentlichkeit gezogen. Denn Heinzelmann verfasste an der Erlanger Universität über die umfassende Korrespondenz ihre Dissertation.

Ehrhart wurde 1700 als Sohn von Johann David Ehrhart und Maria Veronica Kaltschmied in Kaufbeuren geboren. Vier Jahre später zog die Familie nach Memmingen, wo der Vater die Apotheke als Stadtphysikus übernahm. Nach einer Apothekerlehre studierte Ehrhart in Straßburg, Halle und Leiden, wo er zum Mediziner promovierte:

Sein Thema waren versteinerte schwäbische Kopffüßler. 'Der Erfolg dieser Veröffentlichung war so groß, dass sie drei Jahre später in überarbeiteter Form noch einmal aufgelegt wurde', so Heinzelmann. 1727 übernahm Ehrhart die Apotheke und Nachfolge als Stadtphysikus von seinem verstorbenen Vater in Memmingen.

Dort blieb der vierfache Vater und zweimal verheiratete Ehrhart bis zu seinem Tod 1756. Nebenbei erhielt er sich seine 'wissenschaftliche Begeisterung'.

Insbesondere Botanik sowie Geologie und Paläontologie interessierten ihn. Dabei wurde er zu einem der 'ersten Anhänger der Theorie von der Verschiebung verschiedener Gesteinsschichten' und verwarf die bis dahin geltende 'Sintfluttheorie', wonach versteinerte Tiere als in einer Sintflut ertrunken galten.

Ehrhart verfasste mehrere naturwissenschaftliche Werke, darunter sein größtes, die 'Oeconomische Pflanzenhistorie'. Und er stand in regem Briefkontakt mit Wissenschaftlern seiner Zeit wie Trew (1695 bis 1769), der die Medizinzeitschrift 'Commercium' mit herausgab.

Die Informationen zu dem bislang lediglich auf regionaler Ebene gewürdigten Ehrhart seien knapp bemessen, doch Heinzelmann saß gleichsam auf einer Quelle:

Der Lehrstuhl für Geschichte der Medizin in Erlangen hat sich durch die einzigartigen Briefsammlungen des berühmten Schweizer Arztes Albrecht von Haller und des Nürnbergers Trew zu einem Forschungsschwerpunkt entwickelt.

80 Briefe zwischen Erhart und Trew, die einen Zeitraum von 1731 bis 1749 überspannen, wertete Heinzelmann aus. Diese wurden zunächst transkribiert, danach editiert und teilweise sogar rekonstruiert.

Vor allem drei Komplexe beschäftigten Ehrhart und Trew gemeinsam: Themen der Zeitschrift 'Commercium', an der Erhart auch mitarbeitete, die Botanik und die Rolle des Arztes sowie deren soziale und wissenschaftliche Kontakte im 18. Jahrhundert.

Dabei spiele der Inhalt nur eine untergeordnete Rolle: Fachlich sei vieles überholt, eher zur Rekonstruktion der Geschichte könne die Sammlung interessant sein.

Doch die Korrespondenz zwischen Ehrhart und Trew hat ihren eigenen Wert: 'Sie ist Teil eines Korrespondentennetzwerks und Vergleichsstück für die zahlreichen anderen Schriftwechsel dieser Art', meint Heinzelmann.

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