Altdorf
Jobvermehrung mit Haken und Öko

Unermüdlich steigern sich die Zahlen auf den Leuchtanzeigen im engen Foyer des Solarzentrums Allgäu. Sie zeigen, wie effektiv die Silizium-Zellen auf den langgestreckten Hallen an der B12 bei Altdorf Sonnenlicht in Strom verwandeln. Neben der Empfangstheke sind ein paar Fotovoltaik-Module ausgestellt, zwischen den Büros wuseln Mitarbeiter, an einem Bistrot-Tisch warten verspätete Aluminium-Lieferanten aus der Türkei. Und Mitten drin: Willi Bihler, der Chef von 126 Mitarbeitern.

Trotz des Trubels erzählt der 50-Jährige in seinem Büro, das er sich mit Frau und Tochter teilt, in aller Ruhe seine Geschichte. «Wir haben die Chance gepackt. Wir waren zur richtigen Zeit am richtigen Ort und haben das Richtige getan.» Wir, das war zunächst Willi Bihler alleine. 1985 gründet der Elektrikermeister einen Einmann-Betrieb im Dorf. Bald steht fest, dass er sich auf regenerative Energie verlegen will. Er macht eine Ausbildung zum Energieberater, nennt seine Firma Ökopower. 1996 installiert er seine erste Fotovoltaikanlage: «Die waren damals noch sehr teuer.» Nur Idealisten sind Kunden - in ihre Reihen reiht sich Bihler gerne ein.

1999 verabschiedet Rot-Grün in Berlin das Erneuerbare Energiengesetz EEG. Die Zeit des CSU-Mitglieds Bihler ist gekommen. Seither boomt die Branche; Bihler bezieht eine Halle nach der anderen; 2010 will er nun für den Vertrieb seiner Module ein Europa-Logistikzentrum mit 3200 Quadratmetern Grundfläche eröffnen; in China läuft die Gründung einer weitere Firma.

Zu diesem Erfolg, der mehr als 100 neue Arbeitsplätze brachte, hat die hohe Einspeisevergütung für Solarstrom beigetragen. Aber für Bihler steht fest, dass angesichts des Klimawandels an regenerativer Energie kein Weg vorbeiführt. Die Förderung habe letztlich ihr Ziel erreicht: Nun, wo der Zuschuss sinkt, werden die Module billiger. Bihler dazu: «In zwei bis drei Jahren wird Solarstorm genauso billig produziert wie Strom vom E-Werk.»

Schwarz glänzende Platten auf die Dächer montieren, das haben wegen der Förderung viele Elektriker gemacht. Bei Bihler kommt noch mehr dazu: Er ist Mächler - ein Allgäuer Tüftler, der aus Vorhandenem gerne noch etwas besseres macht.

Unverschuldet bekam er Probleme mit den Kunden. Die üblichen Montagehaken für die PV-Anlagen drückten unter der Schneelast auf die Ziegel, bis diese barsten. Biehler entwickelte seinen eigenen Haken. Dieser ist für 500 Kilo Schneelast je Quadratmeter ausgelegt, TÜV-geprüft und wird in Altdorf produziert. Weit über eine Million dieser Haken hat er verkauft, «allein vergangenes Jahr 400000 Stück».

Hinzu kommt der Kontakt zu einem PV-Hersteller in China. Gerade hat er den Liefervertrag fürs nächste Jahr abgeschlossen, Module für 40 Megawatt geordert. Sie werden über Wiosun, eine Firma Bihlers mit Sitz in Saarbrücken, an Installationsfirmen vertrieben. Dafür braucht er die neue Logistikhalle.

Für die nächste Innovation läuft seit kurzem die Serienproduktion: PV-Therm - ein Modul, das Strom und warmes Wasser produziert. «Die Idee ist eigentlich alt», sagt Bihler: Wird es zu warm, sinkt die Ausbeute der PV-Module. Daher entwickelte er eine Wasserkühlung. Als die Prototypen fertig waren, zeigte sich die Vielseitigkeit: Im Sommer kann man die Platten kühlen, im Winter Wasser erwärmen.

Musteranlagen in Korea und USA

Musteranlagen laufen bereits in Südkorea und in den USA. Nach internationalen Messen liegen zahlreiche Bestellungen vor. Und der Boom hat aus Bihlers Sicht noch lange kein Ende: «Die Zeit ist vorbei, in der wir belächelt wurden. Der internationale Markt wird ein sehr wichtiges Standbein werden.»

Dennoch: Wenns der Umwelt dient, schickt der kleine Global-Player aus Altdorf einen seiner fünf Montagetrupps auch zu «Kleinkunden». Eine 2 Kilowatt-Anlage in München ist ähnlich wichtig wie die 500 kW auf dem Dach seiner Logistikhalle. «Man darf nicht nur an den Profit denken», meint Bihler.

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