Jahrhundert-Hitze ließ die Glocken verstummen

Obergünzburg (hk). - Bis ins Jahr 1564 lässt sich die Geschichte der Obergünzburger Kirchturmglocken zurückverfolgen. Seit mehr als 440 Jahren ruft zumindest die große Marienglocke an Hochfesten zum Gottesdienst, sie kündete von Festtagen und Notzeiten, läutete bei Kriegs- und Feuersnot. Die 'Große' ist somit nicht nur mit der Geschichte der Kirche und des Marktes eng verbunden, sondern selbst ein Stück lebendige Obergünzburger Geschichte. Nachdem sie die Hitze des Sommers 2003 zum Verstummen gebracht hatte, läuten die glocken nun wieder. Während des zweiten Weltkrieges schien es, als ob der Hammer der Uhr das letzte Mal die Stunde schlagen würde: 1942 war die Marienglocke zusammen mit weiteren Glocken abgenommen worden. In Hamburg sollte sie auf Geheiß der Nazis wie Glocken aus ganz Deutschland für Kriegszwecke eingeschmolzen werden. Doch in den Kriegswirren blieb das historisch wertvolle Geläut unbeschadet: 1947 kehrten die Glocken nach Obergünzburg zurück und zum Kirchweihfest des gleichen Jahren riefen die alten Glocken wieder zum Hochamt. Doch der heiße Sommer 2003 brachte das Geläut wiederum zum Verstummen. Die langen Monate in außergewöhnlich heißer Luft ließen die Jochbalken der Aufhängungen schrumpfen. Die beiden großen Glocken, die 39,8 Zentner schwere Marienglocke und die 20,3 Zentner schwere Martinsglocke wanderten in ihren Aufhängungen um etwa 10 Zentimeter aus der Mitte.

Eichenbalken erneuert Aus Sicherheitsgründen mussten daher die fast 450 Jahre alten handgeschmiedeten Aufhängungskrallen erneuert und auch die Eichenholz-Jochbalken neu eingepasst und ersetzt werden. Eine Spezialfirma aus Regensburg war in den vergangenen Tage damit beschäftigt, die notwendigen Sanierungsmaßnahmen vorzunehmen. Viele besorgte Anrufe erreichten in dieser Zeit das Pfarrbüro, fehlte doch vielen Bürgern der Stundenschlag oder der Glockenruf zum Gottesdienst. Rechtzeitig zum Hochfest 'Christi Himmelfahrt' werden die Reparaturarbeiten fertig sein und erstmals im Jahre 2004 wird das komplette Geläut von sechs Glocken wieder zum Gottesdienst einladen. Nicht nur die Pfarrgemeinde, der ganze Markt dürfte sich wohl darüber freuen, das unverwechselbare Obergünzburger Glockengeläut in seiner ganzen Fülle wieder zu hören.

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