Iss, schweig - und Bappa zelebriert

Waal - Weltmusikalisch, mit unbekannten Liedern aus bekannten Ländern, brachte die Gruppe 'Bappa e Zittu' südländisches Flair in den Biergarten des Gasthauses 'Deutsches Haus' in Waal. Am ersten schönen Sommertag seit langem konnte das Konzert von 'Bappa e Zittu' auf der Freiluftbühne im Biergarten stattfinden. Das einfache Bühnenbild aus blauem Plastik diente als Mittelmeer-Kulisse. Das sardische 'Bappa e Zittu' bedeutet 'Iss und schweig' oder auf gut Bayerisch: 'Friss und halt's Maul'. Eher angebracht wäre 'Genieße und schweig'.' Denn die Besucher genossen nicht nur die angebotenen kulinarischen Schmankerl, sondern auch die hervorragende Musik. In den unterschiedlichsten Sprachen sang Andrea Pancur mit voller Stimme Lieder aus Italien, Spanien, Sardinien, Galizien, Serbien, Griechenland und Südamerika. Zu den einzelnen Stücken erzählte sie recht humorvoll den Inhalt und gab Hintergrundinformationen zum jeweiligen Land oder zu Landschaft und Sprache. Die Melodien trug meist die Gitarre von Martin Lidl, unterstützt von Anschi Hacklinger am Kontrabass. Für die Perkussion sorgte Georg Karrer mit Bongos, Trommeln und diversen anderen Schlaginstrumenten. Das vielfältige Repertoire von 'Bappa e Zittu' reichte von Balladen, südländischen Volks- und Tanzliedern bis zu Chansons. Die Erzählung 'Ich nasche gerne. Eines Nachts, er roch so lecker, konnte ich nicht widerstehen', rief verständnisvolles Kopfnicken bei den Zuhörern hervor. Doch Andrea Pancurs Fazit rückte die Tatsachen ins richtige Licht: 'Am Morgen packte mich dann das Grauen. Ich schwöre, ich verliebe mich nur noch bei Tageslicht.' Zur Musik boten die Künstler jede Menge ausdrucksvolle, teils urkomische Mimik. Ob beim italienischen Sehnsuchtslied, bei dem der Schlussschrei gar nicht enden wollte, oder beim melancholischen Song von der Einsamkeit, die kein Regen abwaschen kann - die Musiker spielten und sangen nicht nur, sie zelebrierten regelrecht ihre Songs.

Karawane der Kamele Ein Highlight war die 2365 Kilometer lange musikalische Reise mit der Kamelkarawane von Kairo nach Casablanca. 'Die Wüste ist ein Ort der Begegnung mit nichts, nur mit sich selber. Man kann in der Wüste sich selbst begegnen, was man sonst nur im Spiegel kann.' Mit hellen Tüchern als Schweißfänger unter den Hüten deuteten die Musiker die große Hitze an. Bei der musikalischen Karawane gab es immer wieder Soloeinlagen, die begeisterten Zwischenapplaus erhielten. Der Ballade von der Verliebtheit in der Ehe - anfangs zumindest - folgte noch ein Tango. 'Ihr müsst schon weiter klatschen, denn wir sind jetzt fertig', erklärte Martin Lidl nach dem letzten Ton. Das ließ sich das Publikum nicht zweimal sagen und erklatschte sich noch Zugaben. Ein ruhiges, sardisches Wiegenlied beendete die beeindruckende Vorstellung. 'Nix mehr 'Bappa e Zittu', gegessen habt ihr, jetzt könnt ihr auch wieder reden', so verabschiedeten sich die Musiker unter dem Applaus des kulinarisch und musikalisch gesättigten Publikums. Hanns-Michael Gum

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