Indien - Israel in fünf Stunden

Von Thilo Jörgl, Marktoberdorf/Schwangau/Wies - GAGA Wie kommt man in fünf Stunden von Indien nach Israel? Kul TTouren heißt die Lösung, die das 'Musica-Sacra'-Festival in diesem Jahr erstmals angeboten hat. Drei Busreisen entlang der Via Claudia - von Breitenwag bis Landsberg - boten Besuchern die Möglichkeit, zehn Ensembles der Musikreihe kennenzulernen. Und zwischen den Konzerten mit Einblicken in fremde Kultur, gab es Informationen über die Städte an der Via Claudia und kulinarische Einblicke in die Spezialitäten aus der Region. Beispiel: 'Kul TTour 2'. Los geht es am Sonntag Nachmittag an der Musikakademie. Im Bus klärt ein Reiseführer Einheimische und Gäste aus dem hohen Norden über die Sehenswürdigkeiten im Ostallgäu auf. Vom Erbau der Via Claudia vor gut 2000 Jahren bis zu den Wartezeiten am Füssener Grenztunnel zur Ferienzeit reicht das Spektrum. Im Schwanstein-Saal Schwangau erklärt Katharina Schrijner vom Organisationsteam musiktheoretisches Wissen über den Raga, einen traditionellen Musikstil aus Indien auf. Geiger Manjo Baruah und Tablaspieler Soumitrajit Chatterjee geben dann einen Abend-Raga zum besten. Er besteht aus fünf Tönen, über die Baruah eine gute Viertelstunde virtuos improvisiert. Ein Raga (wörtlich: Musik des Himmels) soll die Zuhörer entspannen. Nach dieser Darbietung tretend die 23 Mitglieder des 'Christ the King' Kirchenchors aus Uganda auf die Bühne. Die Frauen mit Tüchern in den Farben des Regenbogens, die Männer in weißen Kleidern über den Anzügen. In ihrer Muttersprache geben sie in Schwangau die Kirchenlieder zum Besten, die der Chor normalerweise jeden Sonntag in der Heimatgemeinde singt. Im ersten Moment klingen die Stücke etwas fremd, beim längeren Zuhören kann man aber europäische Einflüsse heraushören. Im Gegensatz zu den Musikern aus Indien ist die Musik jetzt nicht mehr zum Meditieren geeignet.

Im Gegenteil: Gegen Ende des Konzerts klatscht der Saal in bester Gospel-Tradition die Kirchenlieder mit. Mit hießigen Kirchenchören kann man die Darbietung nicht vergleichen. Gegen Ende ziehen sich einige Sänger das weiße Kleid bis zur Hüfte hoch und tanzen ekstatisch zu den Gesängen, die mit Trommeln begleitet werden. Kirchen-Rap im Ostallgäu. Danach setzen sich die Mitglieder des Chores zum Essen mit den Kul TTouren-Besuchern ins Restaurant. Auf Englisch will ein Sänger wissen, wie den die Fleischbeilage genannt werde. Etwas verdutzt versucht ein Besucher das Wort 'Spätzle' im Englischen zu umschreiben, was ihm nicht besonders leicht fällt. Und auch 'Bayerische Creme' führt auf beiden Seiten zu leichten Verständigungsproblemen. Gestärkt mit regionalen Schmankerln geht die Reise dann über St. Coloman in die Wieskirche. Unter den Putten im Rokkoko-Bau von Dominikus Zimmermann hat sich der 'Vassil Arnaoudov' Kammerchor aus Sofia aufgestellt. Unter der Leitung von Theodora Pavlovitch gibt der bulgarische Frauenchor sowohl Lieder aus dem Mittelalter als auch Zeitgenössisches in der Kirche zum Besten. Viel Applaus ernten die Osteuropäerinnern ob ihrer sauberen Intonation und Dynamik sowohl von den zwei Dutzend Kul TTour-Teilnehmer als auch von einigen Hundert Besuchern, die nur das Wies-Konzert gebucht haben. Den Abschluss des Abends gestaltet der 'Upper Gallilee Choir' aus Israel. Unter der Leitung von Aharon Zarchi singt der preisgekrönte Chor Stücke von von Louis Levandovsky. Vor allem der Vorgesang von Kantor Eliyahu Schleifer kann das Publikum überzeugen. Nach einer Busfahrt endet die Kultur-Reise wieder an der Musikakademie. Wie meint ein Marktoberdorfer Rentner nach der Fahrt: 'Man muss sich nur überall reinsetzen und sich verwöhnen lassen'.

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