In Sorge um den Privatwald

Forderung an die Regierung übergeben Westallgäu (rau). Wenn der Staat im Zuge der Reform der Staatsforstverwaltung Aufgaben an die Forstbetriebsgesellschaften übergeben will, dann soll er diese auch finanziell stärker unterstützen. Das fordert die Waldbesitzervereinigung Westallgäu (WBV). Im Lindenberger Rathaus formulierte deren Vorsitzender, Weitnaus Bürgermeister Peter Freytag, den Protest, den der Landtagsabgeordnete Eberhard Rotter Rotter bei der Anhörung im Landtag am 21. Januar weitergeben soll. 'Sorgen Sie dafür, dass private Waldbesitzer weiterhin in der Lage sind, Forstarbeiten wirtschaftlich und landschaftsverträglich auszuführen', legte Freytag dem Abgeordneten nahe.

Die Reform sieht vor, die Forstämter in ihrer bisherigen Form aufzulösen und dem Staatswald eine andere Rechtsform zu geben. Er gehört weiter dem Staat, soll aber nach privatwirtschaftlichen Grundsätzen weitergeführt werden. Die kostenlose und unabhängige Beratung der privaten Waldbesitzer durch die Forstämter und der regulierende Einfluss auf die Holzpreise, beispielsweise bei Anfall großer Mengen von Sturmholz, fielen damit in Zukunft weg. 4500 Waldbesitzer mit durchschnittlich 2,2 Hektar Wald sind in der WBV organisiert. Mehr als die Hälfte des Holzeinschlags vermarktet sie für die Waldbesitzer gemeinschaftlich und übernimmt Pflegeaufgaben. Gerade für die kleinen Waldbesitzer befürchtet die WBV durch die Reform Schaden. Durch den Holzpreisverfall sei es derzeit schon schwierig, noch Erlöse aus der Waldpflege zu ziehen. Freytag fürchtet, dass mancher Privatwald in Zukunft nicht mehr gepflegt wird. Die ökologischen Folgen für den Wald als größten CO2-Binder wären unabsehbar. Langfristig würde mehr Kleinwaldbesitz verkauft, auch bedingt durch den Strukturwandel in der Landwirtschaft. Das ergebe eine zunehmende Konzentration auf große Waldbesitzer wie den neuen Staatsforstbetrieb. Wenn in Zukunft Waldbesitzervereinigungen die Aufgaben der Forstämter wie Beratung, Wegebau, Fortbildung, Katastrophenschutzmaßnahmen übernehmen sollen, dürften nicht die Zuschüsse zu den Verwaltungskosten wie geplant gekürzt werden, sondern es sollten zusätzliche Mittel bereit gestellt werden, fordert die WBV Westallgäu. 'Aufgrund der langen Umtriebszeiten des Waldes, kommen Auswirkungen einer Reform erst sehr viel später zum Tragen', mahnte deren Geschäftsführer, Andreas Täger, eine langfristige Denkweise an. Forstdirektor Ludwig Geitner aus Immenstadt bekräftigte die unabsehbaren Folgen der Reform: 'Förster in der herkömmlichen Form wird es nicht mehr geben.' Damit würde der Wald zunehmend mit Blick aufs Geld bewirtschaftet. Bei Sturm-, Borkenkäfer- und Klimawandel-Schäden und im Schutzwald könnte sich dies rächen. 'Dann brauchen wir eine Forstpolizei'. Auch sieht er den Umbau des reinen Fichtenwaldes in die ökologisch sinnvolleren Mischwälder gefährdet. Er erinnerte daran, dass die Forstverwaltungen schon seit 1995 in einem zur Hälfte abgeschlossenen und bisher hoch gelobten Reform-prozess steckten und seit Jahren ihre Etats gekürzt bekämen. Für Freytag ist es nicht Aufgabe der WBV in strukturelle Reformen einzugreifen und gegen die Auflösung der Forstämter zu protestieren. Der Staat solle aber die Rahmenbedingungen schaffen, dass private Waldbetriebstrukturen weiter bestehen. Rotter vermisste bei den Forderungen der WBV konstruktive Einsparvorschläge, versicherte aber, sich dafür einzusetzen, dass der Wald nicht nur gewinnorientiert betrachtet wird. Eine Eingliederung der Forstämter in die Landratsämter könne aber langfristig zu einem Abbau von umständlichen Verfahren bei Kleinstgrundstücken führen, so Rotter.

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