In Mamas und Papas Beiwagen durch den Busch

Von Veronika Krull Sonthofen/Australien Der Gang aufs Örtchen war immer etwas umständlich. Doch der sechsjährige David aus Sonthofen hatte sich schnell an den prüfenden Blick in die Schüssel gewöhnt in der sich nicht selten mal eine Schlange ringelte. Passiert ist nie etwas. Auch die Giftkröten und -spinnen ließen ihn und seine kleine Schwester Benita zweieinhalb in Ruhe. Sieben Monate lang. Diese Zeit verbrachten die Kinder mit ihren Eltern in Australien. Unterwegs mit zwei Motorradgespannen, einmal rund um den Kontinent der Kängerus, durch Busch, Wüste und Steppen. Seit einigen Wochen sind David und Benita wieder in Sonthofen. Die Eingewöhnung, erzählt Mutter Nicole Weidhaas sei den beiden schwer gefallen. Benita habe anfangs nicht verstehen können, dass der Papa und der Bruder, mit denen sie mehr als ein halbes Jahr lang rund um die Uhr zusammen war, morgens plötzlich aus dem Haus gingen der eine zur Arbeit, der andere in den Kindergarten. Aber, so ihre 27-jährige Mama, sie und ihr Mann seien sich einig gewesen: Sie wollten einen Kontinent bereisen, bevor David in die Schule kommt. Für die Kinder war es nicht die erste Auslandstour, die sie im Beiwagen der elterlichen Motorräder unternahmen. So war David schon in Irland und später mit der einjährigen Schwester in Portugal. Die Beiwagen, erzählt Christian Gebhard, wie seine Frau seit dem 18. Lebensjahr begeisterter Biker, seien Eigenkonstruktionen mit speziellen Kindersitzen, einem Sonnen- bzw.

Regendach und einer eingebauten Trinkflaschenhalterung. Für das Australien-Abenteuer bauten der Rettungsassistent und die Optikerin, die beide gleichzeitig ihre Elternzeit in Anspruch nahmen, zusätzlich spezielle Wassertanks ein. In weiser Voraussicht denn die Teilstrecken waren recht lang. Manchmal, so die Beiden, habe man auf 400 Kilometern keinen Gegenverkehr gehabt. Schneller als 100, 120 Stundenkilometer seien sie wegen der Schlaglöcher und der tiefen Gräben beidseits der Straße selten gefahren auch um den Viehtransportern ausweichen zu können: Die bremsen nicht. Insgesamt legte die vierköpfige Familie auf der Tour von Perth über Cairns, Sydney, Melbourne und Adelaide 28000 Kilometer zurück. Geschlafen wurde in einem Familienzelt, übernachtet ausschließlich auf Campingplätzen. Die Küche bestand im Wesentlichen aus einem Benzinkocher und zwei Pfannen. Die Kinder, erzählt Nicole, haben sich schnell auf die ungewohnte Umgebung eingestellt. Sie nahmen die Temperaturen gelassen, die von 54 bis Null Grad Celsius reichten, sie gewöhnten sich an den obligatorischen Sonnenschutz pfundweise Sonnencreme, UV-Schutz-Hemden und -Hosen. Und sie lernten nebenbei so gut Englisch, dass sie sich ohne Probleme mit einheimischen Kindern verständigen und Essen organisieren konnten. Größere Pannen, berichten Nicole und Christian, seien nicht passiert. Dem David, schmunzelt die Mama, seien zwei Milchzähne ausgefallen, Ersatzteile für die Motorräder waren spätestens binnen einer Woche vor Ort da es im Lande so gut wie keine BMW-Händler gibt, mussten die Teile in Deutschland bestellt werden. Länger als zwei Tage haben wir nie gestanden, erinnert sich der 32-jährige Familienvater. Auch wenn die Reise oft sehr anstrengend gewesen sei: Wir würden das auf jeden Fall wieder machen, versichern die beiden. Selbstverständlich auf dem Motorrad: Denn da sammelst du Eindrücke über alle fünf Sinne.

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