In der Werkstatt für die Zukunft wappnen

Waltenhofen-Hegge/Kempten(raf). - Sie bauen Gartenzäune und Car-Ports, fertigen Metall-Möbel, modernes Kunsthandwerk und statteten zuletzt sogar für eine Reha-Kurklinik in Isny einen Hochseilgarten aus: Die Schützlinge der RPK-Werkstatt in Hegge demonstrieren ihre handwerklichen Fähigkeiten auf vielfache Weise. Und das trotz eines besonderen Handicaps: Sie sind psychisch krank oder behindert. Sie waren Schreiner, Architekt oder Hilfsarbeiter, hatten vielfach Familie und festes Einkommen - bis ihre Krankheit sie völlig aus der Bahn warf. Der Weg zurück in ein eigenständiges Leben ist für psychisch Kranke und Behinderte allein kaum zu meistern. Die 'Rehabilitationseinrichtung für psychisch Kranke und Behinderte' (RPK) mit Sitz in Kempten gehört zu den wenigen Einrichtungen in der Region, die nach der medizinischen Akutbehandlung umfassende Hilfe bei der Betreuung anbieten. Der Bezirk Schwaben und die Arbeiterwohlfahrt sind die Träger der gemeinnützigen Gmb H, die Betreuungskosten werden von den Sozialversicherungsträgern finanziert. Einrichtungen dieser Art gibt es nur drei in ganz Bayern. 'Unser Einzugsbereich umfasst ganz Schwaben sowie das angrenzende Oberbayern und Baden-Württemberg', erläutert Sozialpädagoge Frank Kluge, Verwaltungschef und Leiter des beruflichen Bereichs. Über 40 Männer und Frauen sind es, die derzeit in den sieben Wohngruppen in Kempten leben. Doch auch der berufliche Wiedereinstieg wird tatkräftig unterstützt: In der Werkstatt in Hegge erhalten die Patienten wichtiges Rüstzeug für ihre Zukunft. 23 Jahre sind die betreuten Menschen im Schnitt alt, rund 75 Prozent von ihnen sind Männer. Das Ziel der Reha ist stets dasselbe: 'Wir wollen allen zu persönlicher Autonomie verhelfen', umreißt es Kluge. Das heißt: Am Ende der maximalen Förderzeit von knapp zwei Jahren steht im Idealfall nicht nur eine feste Anstellung in einem Betrieb, sondern auch ein Leben im eigenen Haushalt oder zumindest einer freien Wohngemeinschaft. Der Weg dahin besteht aus unzähligen kleinen Schritten. 'Wir geben einen festen Tagesrhythmus vor und leiten so zur Selbständigkeit an', erläutert Kluge. Auch Selbstwert- und Verantwortungsgefühl werden aufgebaut, die Kommunikation gefördert. Voraussetzung dafür ist die Motivation jedes Einzelnen, unterstreicht der Sozialpädagoge: 'Jeder ist freiwillig hier, es muss keiner kommen.'

Aufträge der freien Wirtschaft Am Standort Hegge bietet RPK eine breite Palette von Fördermöglichkeiten, die nicht zuletzt dank Aufträgen aus der freien Wirtschaft verwirklicht werden können. Besonders beliebt: Der kaufmännische Bereich, in dem rund 40 Prozent der Schützlinge wieder erste berufliche Gehversuche machen. Doch auch Holzwerkstatt und Metallbearbeitung sind gefragt. Wobei Metall-Experte Karl-Heinz Beck mit seinem Team auch ausgefallene Aufträge annimmt - so konstruierten sie eine überdimensionale Vase für ein Blumenarrangement der Stadtgärtnerei Kempten. Abgerundet wird das Angebot durch Hauswirtschaft und PC-Schulungen. Die Erfolgsquote kann sich sehen lassen: 26 von 68 Männern und Frauen fanden 2003 einen Arbeits- oder Ausbildungsplatz, 17 wurden in einer Behindertenwerkstatt aufgenommen oder erlangten andernorts einen Zuverdienst. Die Sparzwänge im Gesundheitswesen lassen allerdings auch RPK mit seinem Jahresbudget von 1,5 Millionen Euro nicht ungeschoren: Die Finanzbuchhaltung wurde ausgelagert, Stellen (derzeit rund 30) und Mitarbeiterstunden gekürzt. 'Es geht uns wie allen sozialen Einrichtungen - wobei bislang noch keine Inhalte betroffen sind', so Kluge.

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