Allgäu
In der Warteschleife

Das Tourleben ist weit weniger glamourös als allgemein gedacht - die Bad Grönenbacher Rocker «Mystic Prophecy» können auf ihrer dreiwöchigen Europatournee, auf der sie sich gerade befinden, mehr als nur ein Lied davon singen. Anfang Januar trommelte dafür der griechischstämmige Mystic-Prophecy-Sänger Roberto Dimitri Liapakis seine vier Jungs im Kneippkurort zusammen: Bassist Connie Andreszka, die Gitarristen Markus Pohl und Constantine sowie Schlagwerker Matthew Richard Cherry. Constantine, ein Landsmann von Liapakis, wird aus Hellas eingeflogen, der englische Drummer aus London.

Liapakis verfrachtet seine Leute zunächst nach Waldhofen/Hegge südlich von Kempten in das Prophecy-Studio. Dort gibt es Schlafmöglichkeiten, dort befindet sich der Lagerraum für Instrumente, Verstärker, Lautsprecherboxen und sonstiges Equipment - und dort gibt es einen großen Raum, um das etwa 50-minütige Tourprogramm einzustudieren. Die nächsten Tage heißt es also frei nach Lenin nicht nur «Lernen, lernen und nochmals lernen!», sondern auch: «Proben, proben und nochmals proben!»

Denn die fünf Rocker werden als «Special Guests» für die finnische Heavy-Metal-Gruppe Stratovarius auf Europatournee gehen. «Special Guests» - das ist branchenübliches Neudeutsch für eine Vorgruppe gehobenen Standards: Liapakis & Co. dürfen sich geehrt fühlen, wenn eine international renommierte Gruppe wie Stratovarius sie als Begleiter einlädt.

Dahinter steckt aber auch knallhartes ökonomisches Kalkül: In Krisenzeiten mit rückläufigen CD-Verkäufen und Konzertbesucherzahlen laden Hauptgruppen gerne Combos ein, die ihrerseits - so wie Mystic Prophecy - über viele eingeschworene Fans verfügen, die helfen sollen, die vom «Headliner» gebuchten Hallen zu füllen.

Und dann geht es endlich los. 21.30 Uhr, Autobahnraststätte Bad Grönenbach: Liapakis und seine Mannen beladen den Tourbus zur Fahrt nach Bochum, der ersten von 18 Stationen in Deutschland, Benelux, England, Frankreich und Spanien.

Während es sich die Musiker gemütlich machen im Gefährt, in der Heck-Lounge einen Film über das Bord-Kino anschauen und sich dann nach und nach in die engen, sargähnlichen Kojen zum Schlafen zwängen, chauffiert Busfahrer Andre Behnke den Tross über Nacht in den Ruhrpott.

Ankunft in Bochum, Zeche - einem seit 30 Jahren etablierten Kult-Club ähnlich dem Memminger Kaminwerk - ist am nächsten Tag gegen Mittag. Jetzt geht er los, der «langweilige» Touralltag: Warten, warten und nochmals warten! Warten auf die Lieferung der T-Shirts zum Verkauf, warten auf den Soundcheck, das Abendessen, den Auftritt.

Bochum im Sturm genommen

Dann der große Augenblick: Mystic Prophecy entern die Bühne, legen los wie der viel zitierte geölte Blitz und nehmen Bochum im Sturm. Die Rock-Fans verabschieden die Allgäuer mit Beifallsstürmen und Zugabeforderungen. Mystic Prophecy haben ihre Aufgabe perfekt erfüllt: Das Publikum ist für den Headliner «aufgewärmt».

Ein ähnliches Bild am nächsten Abend im belgischen Antwerpen und noch einmal 24 Stunden später im holländischen Amsterdam: Die deutsche Multi-Kulti-Truppe überzeugt auch auf internationalen Bühnen. Von Amsterdam aus zieht der Tross nach London. Die Kanal-Passage erfolgt mit dem Eurostar. So das Wetter den Musikern keinen Strich durch die Rechnung macht. Verspätungen sind einzukalkulieren. Aber das Warten sind die Musiker ja gewöhnt

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