Kaufbeuren / Ostallgäu
Improvisation ist alles

«Das Bayerische Kinderbildungs- und -betreuungsgesetz (BayKiBiG) hat sich bewährt», so das zuständige Familienministerium des Freistaates. Doch ein AZ-Leser ist da anderer Meinung: Das Gesetz sorge für einen großen Verwaltungsaufwand und sei eine Zumutung, da wegen der ständig wechselnden Zahl der Kinder kurzfristig Fachkräfte zur Betreuung an- oder freizustellen seien, moniert der Leser.

Das BayKiBiG trat 2005 in Kraft und hält seitdem die Kommunen auf Trab. Zuvor zahlten Eltern eine Gebühr für die Gruppenzugehörigkeit ihres Sprösslings im Kindergarten - gleichsam eine Pauschale. Seit Inkrafttreten des Gesetzes müssen die Eltern jedoch für die Zeit zahlen, für die sie ihr Kind eingebucht haben. Um der Betreuung dabei gerecht zu werden, dachte sich der Gesetzgeber einen Anstellungsschlüssel aus, nach dem Fördermittel fließen: Pro 10,5 bis 11,5 Kinder eine pädagogische Fachkraft. Da die Kinder aber jedes halbe Jahr neu angemeldet werden, können sich die Buchungszahlen ändern. Gerade in den Landgemeinden bereitet das Probleme.

Da ist Kaufbeuren mit seinen 23 Einrichtungen, davon 19 Kindergärten, besser dran: Dort kümmert sich die Fachberaterin für Tageseinrichtungen, Hildegard Wörle, um das komplexe Thema. Neuanstellungen seien eher selten, obwohl in Kaufbeuren sechs neue Stellen geschaffen wurden, so Wörle. Vielmehr versuche die Stadt zu improvisieren, indem frühere Kolleginnen, Aushilfen oder Praktikantinnen reaktiviert werden: «Wir haben ein Netzwerk und halten auch die Kontakte», berichtet Wörle. Zudem könne die Stadt innerhalb ihrer sieben Kindergärten Zeitpuffer bei den Beschäftigten etwa durch flexible Arbeitsverträge schaffen, sodass Mitarbeiter ein halbes Jahr je nach Bedarf weniger oder mehr arbeiteten. Obendrein funktioniere die Zusammenarbeit mit den privaten Trägern von Kindergärten gut.

Anders sei die Flexibilität durch das BayKiBiG nicht zu schaffen. «Für ein halbes Jahr würden wir vermutlich keine Fachkraft bekommen.» Das gelte auch für die Gemeinden: «Die Fachkraft muss ja davon leben und Benzin zum Arbeitsplatz oder die Wohnung vor Ort bezahlen können», erläutert Wörle. Sie empfiehlt den Landkindergärten mehr Zusammenarbeit, um beispielsweise einen «Springer» einzustellen.

Das könnte Sie auch interessieren

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen
Powered by Gogol Publishing 2002-2019