Immer mehr stürzen sich in Schulden

Marktoberdorf/Ostallgäu (az/af). - Auf der einen Seite sinkt statistisch gesehen die durchschnittliche Verschuldung pro Haushalt. Auf der anderen sind es wieder mehr Personen, die sich an die Schuldnerberatung in Marktoberdorf wenden. Dabei stellten die Berater fest, dass darunter zunemend Betroffene sind, die zwar in einem Arbeitsverhältnis stehen, deren Einkommen aber für die laufenden finanziellen Verpflichtungen nicht mehr ausreicht. Mit Sorge betrachtet die Einrichtung die geplanten Sparmaßnahmen des Freistaates, die Teile der Arbeit gefährdeten. Im vergangenen Jahr haben sich laut Schuldnerberatung 124 Alleinstehende oder Familien im Ostallgäu erstmals an die Schuldnerberatung in Marktoberdorf gewandt. Sie wird seit 1994 von der Herzogsägmühle im Auftrag des Landkreises Ostallgäu betrieben. Im Jahr 2002 waren es 117. Damit stieg die Zahl der Ratsuchenden von 188 auf insgesamt 210. Unter ihnen hätten sich erneut zahlreiche Hochverschuldete befunden, berichtete Martin Holleschovsky, einer der Berater in Marktoberdorf. Ihnen habe über das so genannte Verbraucher-Insolvenzverfahren (siehe Wortweiser) geholfen werden können, um in absehbarer Zeit schuldenfrei zu werden. Diese Form der Hilfe steht aber laut Holleschovsky auf der Kippe.

Während die 'normale' Schuldnerberatung überwiegend vom Landkreis finanziert werde, habe bisher das Land für die zusätzliche Arbeit im Rahmen des Insolvenzverfahrens Fallpauschalen bezahlt. Diese sollen, so die diakonische Einrichtung Herzogsägmühle, nach dem Willen des Sozialministeriums und der CSU-Landtagsfraktion gestrichen werden. Staatsministerin Christa Stewens vertrete die Auffassung, dass sich Schuldner einen Anwalt nehmen könnten, der dann nach dem Beratungshilfe-Gesetz vergütet wird. Holleschovsky kontert: 'Auch im bayerischen Sozialministerium weiß man, dass Anwälte für diesen geringen Gebührensatz in der Regel nicht tätig werden. Es droht die Gefahr, dass den Betroffenen mit einem Anspruch auf Entschuldung im Verbraucher-Insolvenzverfahren künftig nicht mehr geholfen werden kann.' Die geplanten Kürzungen hätten zur Folge, dass von den aktuell betreuten Schuldnern künftig ein Drittel keine Hilfe mehr erhalten könne. Mit allen Schuldnerberatungen in Bayern setze sich Herzogsägmühle dafür ein, dass der im Etat des Sozialministeriums vorgesehene Haushaltsansatz um wenigstens 1 Million Euro aufgestockt wird. Damit stünde zwar weniger Geld als bisher zur Verfügung, die Insolvenzberatung durch die Schuldnerberatungsstellen könnte damit aber fortgesetzt werden. Dass Verschuldung heutzutage viele Personen treffen kann, weiß Holleschovsky nur zu gut. Ursachen seien in der Hauptsache ehemalige Selbstständigkeit, Arbeitslosigkeit, weniger Einkommen, gescheiterte Finanzierung von Immobilien sowie Trennung oder Scheidung. 'Alleinstehende und Familien kommen zu uns, wenn sie so überschuldet sind, dass sie eine Entschuldung und eine Weiterführung ihres bisherigen Lebens aus eigener Kraft nicht mehr bewältigen können.' Die Summe der Schulden bei den neuen Ratsuchenden betrug im vergangenen Jahr im Ostallgäu 5,8 Millionen Euro. Dies entspricht einer durchschnittlichen Verschuldung pro Haushalt von 47000 Euro. Im Jahr zuvor belief sich der Schuldenstand bei 117 neuen Fällen auf 10,5 Millionen Euro, was einen Durchschnitt von 90000 Euro ergab.

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