Immer mehr Jugendliche werden straffällig

von johannes schlecker | Kempten/Oberallgäu Ein 16-Jähriger prügelt in Kempten grundlos auf einen 80-jährigen Rentner ein. Ein anderer Jugendlicher tritt betrunken in Moosbach gegen zwei parkende Autos (wir berichteten). Die jüngsten Vorfälle sind laut Polizeihauptkommissar Karl-Heinz Schader keine Einzelfälle. 'Immer öfter werden Straftaten wie Sachbeschädigungen und Körperverletzungen von Jugendlichen begangen', erklärt Schader. Daher will die Polizei nun verstärkt mit dem städtischen Jugendamt zusammenarbeiten und mehr kontrollieren.

Nicht nur die höhere Gewaltbereitschaft bei den Jugendlichen gibt laut Schader Anlass zur Sorge. Immer häufiger sei auch Alkohol im Spiel. Wurden im Jahr 2004 in Kempten noch 13 Fälle von gefährlicher Körperverletzung gemeldet, bei denen Jugendliche unter Alkoholeinfluss standen, stieg die Zahl im Jahr 2006 auf 45 Vorfälle an. Um dieser Entwicklung entgegenzutreten, seien seit vergangenem Jahr verstärkt Polizeistreifen in Kempten unterwegs. Schaders Fazit: 'Alkoholgelage kommen leider immer mehr in Mode.' Neben einer höheren Polizeipräsenz wünscht er sich daher auch an den 'Brennpunkten' eine gemeinsame 'Jugendschutzkontrolle' mit Mitarbeitern des Jugendamts.

Als 'dramatisch' bezeichnet Jugendamtsleiter Matthias Haugg die aktuellen Zahlen: 'Mittlerweile werden rund 50 Prozent aller Gewaltdelikte unter Alkoholeinfluss begangen.' Auch er plädiert für eine neue Form der Zusammenarbeit mit der Polizei: 'Wir werden vor Ort aber keine Ausweise kontrollieren, sondern wollen mit den Jugendlichen ins Gespräch kommen.' Ein weiterer Vorteil wäre, dass die Eltern - wenn nötig - unmittelbar benachrichtigt werden könnten. 'Dann ist ein späterer Datenaustausch mit der Polizei auch nicht mehr erforderlich.'

'Alkohol schützt nicht vor Strafe'

Doch was sind die Ursachen für diese Entwicklung? Vor allem im Fernsehen bekommen die Jugendlichen laut Haugg den Eindruck vermittelt, dass 'Saufen ein tolles Erlebnis ist'. Zudem würden viele Erwachsene bei öffentlichen Veranstaltungen ein schlechtes Vorbild abgeben.

'Alkohol schützt nicht vor Strafe', betont Michael Ruppert, zuständig für die Jugendgerichtshilfe beim Stadtjugendamt. Im Wiederholungsfall etwa drohe je nach Vergehen eine Jugendstrafe von bis zu sechs Monaten. Ein Phänomen sei, dass viele der jungen Täter unter der Woche einer normalen Beschäftigung nachgehen und 'gute Arbeit' leisten. 'Am Wochenende kommt es dann in der Gruppe zu den Alkoholexzessen', erklärt Ruppert.

Bei der Aufklärung der Straftaten ist die Polizei laut Schader auf die Mithilfe der Bevölkerung angewiesen: 'Allerdings sollte sich niemand unnötig in Gefahr begeben.' Ein Anruf bei der Polizei und eine 'vernünftige Personenbeschreibung' reichten oft aus, um den Täter dingfest zu machen. Gleichzeitig sollten sich die Bürger als Zeugen zur Verfügung stellen.

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