Buchloe
Im Zeichen der Integration

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Zuerst die Schuhe ausziehen. Wer beim «Tag der offenen Tür» des türkisch-islamischen Kulturvereins in der Buchloer Moschee einen Blick in die Gebetsräume im ersten Stock werfen will, darf das nur in Socken. Der Sauberkeit wegen, erklärt Tekin Gülten. «Beim Beten muss alles rein sein. Daher waschen sich viele Gläubige zuvor sogar die Ohren, Arme und das Gesicht» sagt die 43-Jährige. Im Gebetsraum sitzen ein paar türkische Männer gemeinsam mit Imam Ilias Ozmanoglu, dem Vorbeter. Es ist eines von fünf täglichen Gebetsritualen. Morgens um 6 Uhr, mittags um halb zwölf, nachmittags um 14 Uhr, früh abends um halb fünf und abschließend zweieinhalb Stunden später noch einmal.

Die Muslime beten getrennt nach Geschlechtern. Der Raum nebenan, der für die Frauen, bleibt an diesem Tag leer. Sie sind eine Etage fleißig am Arbeiten. Sie backen und kochen nach Rezepten aus der Heimat, verkaufen gestrickte und gestickte Schals und Tücher, trinken gemeinsam Tee. Ohne den geht bei den Türken kaum. «Das ist wie der Kaffee bei den Deutschen», sagt Gülten. Getrunken wird der gezuckerte Schwarztee vor dem Essen, danach wieder und selbst bei fast jedem lockeren Gespräch.

Eigentlich sei die Moschee im Hochstattweg 365 Tage im Jahr für Buchloer aller Glaubensrichtungen offen, mit diesem «Tag der offenen Tür» wolle man aber die Beziehung zueinander noch ein wenig mehr ins Laufen bringen. Denn für viele Deutsche gebe es noch immer eine große Hemmschwelle, auch in Buchloe.

Die Einrichtung wurde vor vier Jahren eröffnet und ist seitdem für viele Türken in Buchloe erste Anlaufstelle, eine Art Vereinsheim. Die Männer etwa treffen sich dort, um gemeinsam Fußball zu schauen. Deutsche wie türkische Liga. «Oder sogar nachts um drei Uhr, wenn Boxen im Fernsehen kommt», erzählt Gülten. Im Keller proben Jung und Alt zusammen für musikalische Auftritte, es gibt eine eigene Küche und sogar eine Bibliothek. Man fühle sich wohl, hier in Buchloe, sagt die 43-Jährige.

Die Zusammenarbeit mit den Kirchen und den anderen Vereinen in der Stadt sei gut, von kleineren Meinungsverschiedenheiten einmal abgesehen. Und dennoch gebe es auch heutzutage noch eine Menge Vorurteile. Die Sache mit dem Kopftuch zum Beispiel. «Viele wollen sich damit ein Stück der eigenen Identität bewahren.

Das Kopftuch ist Teil unseres Glaubens», sagt Gülten. Sie selbst trägt keines, wie auch viele junge Frauen in der Moschee. Ob mit oder ohne Kopftuch, das sei jedem freigestellt.

Das Leben in dem Gebäude im Hochstattweg scheint ohnehin recht modern. Gülten: «Das Wichtigste sind doch der eigene Glauben und die eigene Meinung. Das ist eine Sache zwischen Gott und mir.» Und dabei spricht die 43-Jährige tatsächlich von Gott, nicht vom Allah. Ein schönes Zeichen gelungener Integration.

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