Buchloe
«Im Winter ein Knochenjob»

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Wenn es noch ganz ruhig ist auf den Straßen, Straßenlampen die weiße Schneedecke zum Glitzern bringen und allenfalls eine leichte, kalte Böe den Flug der herabfallenden Flocken stört, dann ist Alfred Meichelböck zufrieden. Trotz Kälte, Dunkelheit und der Tatsache, dass er einer der wenigen Menschen ist, die um vier Uhr morgens bereits arbeiten. «Dann mache ich in meinem Traktor das Radio und die Heizung an, und genieße es einfach, als erster unterwegs zu sein.»

Meichelböck führt in Buchloe einen Hausmeisterservice. Gemeinsam mit sieben Mitarbeitern betreut er in der Gennachstadt gut zwei Dutzend Wohn- und Industrieanlagen. Derzeit, wenn der winterliche Räum- und Streudienst einen Großteil der Arbeit ausmacht, ist das jedoch alles andere als ein Zuckerschlecken. In der Regel beginnt der Arbeitstag des 52-Jährigen um drei Uhr morgens. Dann sind zu allererst die Industrieanlagen dran, Wohnanlagen folgen ab vier Uhr. Bis sieben Uhr, so will es die Stadtverordnung (siehe nebenstehender Artikel), muss dort alles geräumt sein. Um 20 Uhr ist Feierabend. «Dann heißt es nur noch heim. Es tut dann einfach alles weh», verrät der Hausmeister. An Tagen mit starkem Schneefall - wie es zum Wochenbeginn der Fall war - ist der Chef dann schon mal 13 Stunden im Einsatz gewesen.

Pausenlos räumen, schippen und streuen. Oftmals eine Sisyphos-Arbeit. Denn: «Bei starkem Schneefall sind viele Flächen nach zwei Stunden schon wieder völlig zugeschneit», berichtet Meichelböck.

Nicht ganz so streng hat es Helmut Weiß. Sein Arbeitstag als Hausmeister der Comenius-Grundschule in Buchloe beginnt im Winter um sechs Uhr morgens. Spätestens bis die ersten Schüler eintreffen, müssen Wege und Pausenhof geräumt sein. Vieles macht der 60-Jährige dabei per Hand mit der Schaufel. «Oftmals hilft mir meine Frau dabei. Manchmal schickt auch der Bauhof jemanden vorbei», erzählt Weiß. Dennoch: «Nach drei Tagen merkt man die Arbeit dann schon, vor allem im Kreuz.» Im Winter sei es schon ein Knochenjob.

Bei Alfred Meichelböck ist es weniger die Kälte, körperliche Belastung oder die Tatsache, dass während der Wintermonate weder Sonn- noch Feiertage etwas zählen, sondern die Launen der Menschen, die ihm oftmals zu Schaffen machen. «Früher war es ganz natürlich, dass man auch mal durch Schnee stapfen muss. Aber heute akzeptieren die Leute den Winter nicht mehr», erzählt der 52-Jährige.

Geschichten fallen ihm dazu zur Genüge ein. Von Anwohnern, die sich beschweren, weil sie nicht mit Hausschuhen bis zur Mülltonne laufen können. Oder von Regressansprüchen aufgebrachter Mieter, deren italienische Designerschuhe beim Überqueren des winterlichen Hofes gelitten haben.

Auf ein schnelles Ende des Winters hofft Alfred Meichelböck dennoch nicht. Zum einen mache ihm sein Beruf Spaß. «Zum anderen verdiene ich mit dem Schnee ja auch Geld.» Von ähnlichen Anschauungen ist Helmut Weiß weit entfernt: «Ich bin zwar begeisterter Skifahrer - aber von mir aus bräuchte es im Winter nur in den Alpen zu schneien.»

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