Fischen
Im Strickkittel talwärts auf uralten Latten

So einen Andrang hat der gute alte Buckelwiesen-Lift in Fischen lange nicht erlebt. Hunderte von Zuschauer mit Transparenten und Kuhschellen säumten die Pistenränder, um ihre Favoriten beim historischen Skirennen kräftig zu unterstützen. Das Anfeuern war auch dringend nötig, denn statt Helm, winddichter Jacke und atmungsaktiver Unterwäsche gab es für die Skisportler Strickkittel, Bundhosen, Faltenrock und wollene Fausthandschuhe. Und statt mit schnellen Schwüngen auf Carvingskiern den Berg hinunter zu sausen, gings dahin auf uralten Latten, die nur im günstigen Fall Kanten aus Blech hatten.

Entsprechend bescheiden waren die Siegansprüche der Berg- und Bikerfreunde, die nach altem Skimaterial auf den Dachböden gestöbert hatten. «Nur die Harten kommen in den Garten», grinste Gerhard Hafner, der nicht nur zum Skifahren historisch ausstaffiert war, sondern bei eisigen Minusgraden auch noch mit einem echten Oldtimer-Motorrad zum Wettkampf angereist war. Teamkollege Andreas Greiner hatte seine Ausrüstung beim Antikhändler ergattert, denn «die Familienskier hat mir der Bruder weggeschnappt», verriet er. Der war mit dem Team der Musikkapelle gestartet und gab gern zu, dass er sich das Recht des Älteren genommen hatte: «Aber der Andi hat nun eindeutig das bessere Material erwischt», beneidete Schorsch den kleinen Bruder um dessen guten Kauf.

Steffi Schmid tauchte in den Hosen ihres Großvaters auf und stellte angesichts mangelnder Passform fest: «Die Leute müssen früher echt klein gewesen sein und viel dünnere Waden gehabt haben». Gemeinsam mit Bikerfreund Stefan Hilbrand waren sie das Team «Gut gewachst ist noch lange nicht gewonnen», dass am Stinesser gegen 29 andere Vierer-Gruppen antrat.

Hinauf ging es schweißtreibend zu Fuß und beim Blick auf den gesteckten Riesenslalom-Lauf meinte Stefan Hilbrand: «Das muss ein Langläufer verbrochen haben, viel zu eng für diese Ski». Gerhard Hafner konterte, es sei ohnehin viel besser, einen Torposten zu bestechen und eine Abkürzung zu nehmen. Doch es ging alles mit rechten Dingen zu - die vielen begeisterten Zuschauer hätten Doping und Betrug sicher auch nicht zugelassen. Die Berg- und Bikerfreunde landeten auf dem achten Platz, «angesichts der Verhältnisse ein tolles Ergebnis», kommentierte Andi Greiner.

Dass die jungen Bergar Maiboambüebe den Sieg davontrugen, sei sowieso kein Wunder, denn «die haben doch all die Tage bereits heimlich geübt», schmunzelten die geschlagenen Biker. Den Preis für die gelungenste historische Kostümierung erhielt die Familie Aigner aus Maderhalm. Alle anderen Mannschaften, die ohne Titel heimmussten, wurden dennoch reich belohnt: mit viel Applaus und jeder Menge Gaudi.

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