Im Rausch Kind und Kundin bedrängt und begrapscht

Sonthofen (ho). Dass er voll des Whiskys ein kleines Mädchen begrapscht und wenige Wochen später eine junge Frau in seinem Kebabstand festgehalten und heftig belästigt hat, schien den Familienvater auf der Anklagebank ziemlich kalt zu lassen. So was sei in seinen 30 Deutschland-Jahren sonst nie passiert, schob der 51-Jährige die massiven sexuellen Übergriffe ausschließlich dem Alkohol zu. Weshalb Richterin Brigitte Gramatte-Dresse nicht lange fackelte und den Döner-Koch zu einer stationären Entzugstherapie verdonnerte und wegen fahrlässigem Vollrausch zu einem Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilte. Wiewohl deutscher Staatsangehöriger, ist der Mann der deutschen Sprache nur ungenügend mächtig. Was die Verhandlung nicht gerade erleichterte, weil die Richterin nicht einsah, warum einem Bundesbürger ein Dolmetscher gestellt werden sollte. Allerdings wusste der Angeklagte auch nicht viel zu sagen: Wegen seines Granatenrausches im einen Fall 2,62 Promille hatte er keine Ahnung, ob er diese Fräulein so massiv angegangen ist. Dafür war die Erinnerung der noch immer sehr betroffenen Zeuginnen umso klarer. So war der Betrunkene einer Zwölfjährigen gegenüber zudringlich und beleidigend geworden. Und auch das zweite Opfer des Angeklagten kämpfte noch während seiner Aussage mit den Tränen: Als Kundin in seinem Imbissstand habe ihr der Vater dreier Kinder etwa 20 Minuten lang die Tür versperrt, musste sie sich gegen seine Attacken zur Wehr setzen, berichtete die 19-Jährige, die das alles ganz schrecklich fand und total neben mir war.

Ich schon viel trinken, räumte der Deutsch-Türke auf die Frage nach seinem Alkoholkonsum ein. Dass er diese Passion schon seit längerem auslebt, machte sein Strafregister mit fünf Verurteilungen deutlich davon zweimal Trunkenheit im Verkehr und ein fahrlässiger Vollrausch. Wobei sich der 51-Jährige beeilte zu versichern, dass er inzwischen nur noch ein Bier nach der Arbeit trinke. Der Staatsanwältin fiel gar nichts ein, was zu Gunsten des Angeklagten sprechen könnte. Schließlich wisse der Mann, dass er unter Alkoholeinfluss dazu neigt, Straftaten zu begehen. Verschärfend kämen die psychischen Nachwirkungen bei den Opfern hinzu. Dem hielt der Verteidiger entgegen, dass sein Mandant kein sexueller Unhold ist. Auch sei er nicht ständig betrunken, sondern ein Quartalssäufer oder so was ähnliches. Richterin Brigitte Gramatte-Dresse betonte, es sei nicht auszuschließen, dass der Angeklagte die Taten in schuldunfähigem Zustand (deshalb die Verurteilung wegen Vollrausch) begangen hat aber das entschuldigt überhaupt nichts. Denn nicht der Alkohol ist schuld, sondern Sie, weil Sie trinken, machte sie dem wenig einsichtig wirkenden Koch klar. Deshalb verhängte die Richterin als Bewährungsauflage eine stationäre Therapie, die der Alkoholiker ohne Erlaubnis des behandelnden Arztes nicht ab- oder unterbrechen darf. Außerdem muss der 51-Jährige als Schadenswiedergutmachung 500 Euro an das Kind und den doppelten Betrag an die junge Frau bezahlen.

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