Allgäu
Im Rausch der Farben

Engetried/Markt Rettenbach Berge auf Rädern, Urvölker und Topmodels: Wenn es um Fasching geht, machen sie keine halben Sachen. Das beweisen rund 40 Gruppen, die an diesem Sonntag durch Engetried und danach durch Markt Rettenbach ziehen.

Laut Manfred Prexl, Präsident des Engetrieder Faschingsvereins, sind insgesamt rund 20000 Zuschauer gekommen. Für Angelika Möckl und Sandra Kornes ist es ein Heimspiel: Sie kommen aus der Nähe von Enget-ried und sind mit der Fußgruppe Chaos-plus-minus als Mohren unterwegs, die ansonsten für eine Schokoladenmarke werben. «Man ist schon kribbelig, bis alles für den Umzug fertig ist», sagen Möckl und Kornes. Jeder nähe sein Kostüm selbst, was diesmal sehr aufwendig gewesen sei, sagt Möckl: «Aber jetzt freuen wir uns einfach, dass wir so schön aussehen.»

Nur alle zwei Jahre

Da der Engetrieder Umzug nur alle zwei Jahre stattfinde, seien sie auch auf anderen Umzügen unterwegs, so Kornes - «aber hier ist es immer am schönsten», fügt die 23-Jährige hinzu. Eine Besonderheit sind die spektakulären Wagen. Der Multi Club Gottenau etwa hat einen Berg auf Räder gestellt - gemäß dem Motto: «Den Rettenbachern wird die ,Kohle knapp, drum bauen wir sie selber ab.

» Nicht nur ein Sprengteam, Bergarbeiter in Overalls und mit Schutzhelmen sind im Einsatz - auf dem Wagen arbeitet ein Schmied zwischen Amboss und Feuer.

Eisbären und eine Rutschbahn gibt es dagegen auf dem Nordpol-Wagen der Sprudelbuaba. Ein Märchenwald, ein pechschwarzer Wolfskopf mit aufgerissenem Maul, die Engetrieder Version eines Nacktscanners, ein riesiger Gaudiwurm und sogar das Colosseum aus Rom - das sind nur einige der weiteren Umzugsgefährte.

«Die Wagen sind wirklich toll», sagt Zuschauerin Renate Rottmar aus Kronburg: «Die Gruppen betreiben hier extrem viel Aufwand - das ist schon etwas Besonderes», so die 55-Jährige. Sie selbst komme seit vielen Jahren hierher.

Als der Wagen mit dem Titel Engetrieds 1. Faschingsmuseum naht, bleiben einigen Buben die Münder offen stehen: Dem Wagen folgt ein zweiter, noch größerer in Gestalt eines riesigen Dinosauriers. Das Maul des etwa fünf Meter hohen Kopfes bewegt sich, dann zieht das meterlange Knochengerippe vorbei. Für Gelächter sorgt das Gefährt, auf dem das «Engetrieder next Topmodel» gesucht wird.

Lokalpolitisches kommt ebenfalls nicht zu kurz: «Die Gemeinde sorgt für Wasser, tagaus, tagein - nicht ganz billig, aber klar und fein» ist auf einem Wagen zu lesen, auf dem eine Figur von Bürgermeister Alfons Weber vom Rathaus aus Wasser in einen Brunnen laufen lässt.

Auch bei den Fußgruppen herrscht ein Farben-Rausch: Zu Zwergen, Punks, Hexen, Geistern und Gardemädchen gesellen sich auch eine Kapelle aus Schneemännern und Urvölker: Afrikanische Steppenvölker haben es ebenso nach Engetried geschafft wie Neandertealer und Buschmänner - Knochen im Haar inklusive. Mayas, Azteken und Inkas begleiten zwei Wagen mit einem Furcht einflößenden Riesengesicht und einer Pyramide. Mit Federschmuck am Kopf sowie mit Totenköpfen und Waffen ausgestattet, schleichen sie sich an einzelne Zuschauer heran.

«Es war super», schwärmt nach anderthalb Stunden Johanna Haisch aus Ottobeuren: «Dieser Umzug ist einfach einzigartig.»

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