Im Notfall gab es 50 Pfennig pro Tag

Wildpoldsried (hä). - 100 Jahre Arbeiter Krankenunterstützungsverein Wildpoldsried - 'so ein Jubiläum muss man richtig feiern, freute sich Vorsitzender Alfred Amberger beim Festakt im Gasthaus 'Adler'. Zahlreiche Gäste und die Fahnenabordnungen der örtlichen Vereine feierten mit. Begonnen hatte der Festtag mit einem Kirchzug mit der Musikkapelle und den Fahnenabordnungen sowie den Festgästen. Den Festgottesdienst zelebrierte Pater Thomas, ein indischer Priester der zu Besuch im Allgäu weilt. Die Musikkapelle führte die Haydn-Messe auf und umrahmte den Festakt. Bürgermeister Arno Zengerle betonte in seiner Laudatio, dass sich die Gründerväter des Vereins im Jahre 1904 unser heutiges, enges soziales Netz bestimmt nicht vorstellen konnten. Die ersten 40 Jahre des Vereins seien von zwei Kriegen, der Weltwirtschaftskrise und der Währungsreform geprägt gewesen. In diesen harten Zeiten zeigte sich die Notwendigkeit einer solchen Einrichtung. Doch auch in der heutigen Zeit bewirke der Verein viel Gutes. Zengerle überreichte dem Vorsitzenden einen Gutschein für eine 'ordentliche Brotzeit' bei einer Vorstandssitzung.

Hermann Kistler, altgedienter Vereinssprecher, blätterte in der Chronik und ließ für viele Gäste die Vergangenheit wieder lebendig werden. Familien mit mehr als 15 Kindern seien damals nicht selten gewesen. Oft konnten Familienväter nicht einmal die Ernährung der Familie sichern. Die Gemeinde Wildpoldsried habe auf die Not bei Krankheiten reagiert, wie ein gemeindliches Protokollbuch aus den Jahren 1864 bis 1893 belege, aber dies sei nur ein 'Tropfen auf einen heißen Stein' gewesen. Aus diesen freiwilligen Leistungen heraus sei von den Honoratioren des Dorfes der Verein 1904 gegründet worden. Der damalige Vereinsdiener Ottmar Lechleiter habe viel Arbeit gehabt: so musste er die Aufnahmegebühr von einer Mark und die monatlichen Beiträge von 30 Pfennig im gesamten Dorf und seinen Weilern, persönlich erheben. Ausgezahlt wurden im Krankheitsfall 50 Pfennig pro Tag, beschränkt auf 90 Tage im Jahr, erklärte Kistler. 1911 wurde die heutige Vereinsfahne angeschafft. Auf einer Seite sind die Zunftzeichen der Handwerker und auf der anderen Seite der heilige Josef - Patron des Vereins - sowie landwirtschaftliche Geräte zu sehen. Zur 100-Jahr-Feier gab es verschiedene Ehrungen. Zur Erinnerung erhielten die Geehrten eine von Fritz Filser (Wildpoldsried) gestaltete Urkunde mit dem Vereinsabzeichen von 1904. Zu Ehrenmitgliedern wurden ernannt: Alfred Amberger und Theodor Dodel. Weitere Ehrungen: Herbert Wagner (zehn Jahre Zweiter Vorsitzender, zuvor zehn Jahre Schriftführer), Walter Krottenmüller (fünf Jahre im Vorstand), Georg Reichart (18 Jahre Kassier), Richard Prestel (seit 15 Jahren Kassier), Helmut Oeschay (40 Jahre im Vorstand, davon 33 Jahre Kassier Sterbekasse), Josef Schlecht (zehn Jahre Schriftführer).

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