Im Narrenkostüm wurde Ehemann so richtig narret

Kempten (pa). - 'Mir ist schon klar,' sagt der Angeklagte, 'dass ich einen Bogen machen muss um meine Frau.' Um dieser verspäteten Einsicht für die Zukunft Nachdruck zu verleihen, verpasst ihm der Richter als Gedächtnisstütze eine Bewährungsstrafe. Und zwar wegen Körperverletzung, Bedrohung und eines 'Vergehens gegen das Gewaltschutzgesetz'. Dieses Gesetz hilft Frauen, sich ihre rabiaten oder auch nur 'überlästigen' Männer vom Leib zu halten. Demnach kann der Mann gerichtlich dazu vergattert werden, seiner Frau aus dem Weg zu gehen, sich von ihrer Wohnung fern zu halten und sie nicht mit Telefonanrufen zu nerven. So war das auch, als die Ehe in die Brüche gegangen war, in diesem Fall geregelt worden. Nicht ohne Grund, denn der 37-jährige Mechaniker hatte seine Frau nach der Trennung schon einmal attackiert und dafür einen Strafbefehl über 1800 Euro zahlen müssen. Danach hatte der Mann ein paar Monate lang tatsächlich die Kurve gekriegt beziehungsweise 'einen Bogen gemacht'. Bis er dann, ausgerechnet auf dem Höhepunkt des Faschingsfrohsinns und im Narrenkostüm, doch wieder 'narret' wurde. Im Gewühl von 4000 Mäschkerern auf dem Narrensprung in Kleinweiler-Hofen erkannte er seine ebenfalls maskierte Frau, packte sie im Genick, verpasste ihr eine schallende Ohrfeige und drohte: 'Ich bring' dich noch um.' Woran er sich jetzt auf der Anklagebank des Kemptener Amtsgerichts zwar nicht mehr erinnern kann oder will. Aber neutrale Zeugen können das sehr wohl und wissen auch noch, dass der 37-Jährige seiner Frau eine 'gepätscht' habe. Und seinen Gemütszustand beschreibt eine Zeugin so: 'Der war richtig narret.' Also 'nicht nur ein Narr vom Kostüm her,' fasst Richter Dieter Geisenfelder das Ergebnis der Beweisaufnahme zusammen.

'Kinder als Drohmittel' Als Ursache für die handfeste Narretei des Angeklagten vermutet dessen Noch-Ehefrau 'Probleme bei der Abwicklung der Ehe' und die grundsätzliche Aggressivität ihres Mannes. Dieser dagegen wendet ein, so ganz unschuldig an seinem Ausraster sei sie nun auch wieder nicht. Denn sie werfe ihm beim Umgangsrecht mit den gemeinsamen Kindern Knüppel zwischen die Beine: 'Sie benutzt die Kinder als Drohmittel.' Eine Geldstrafe hält der Staatsanwalt angesichts des bescheidenen Verdienstes des Angeklagten für wenig sinnvoll: 'Dann wäre womöglich der Unterhalt für die Kinder gefährdet.' Deshalb beantragt er zwei Monate Freiheitsstrafe mit Bewährung. So entscheidet der Richter dann auch und gibt dem Angeklagten zu bedenken: 'Das Verfahren soll Ihnen eine Warnung sein. Wenn nichts mehr vorkommt, wird die Strafe nach zwei Jahren erlassen.' Der Mann, der ohne seine Beziehungsprobleme noch nie einen Gerichtssaal von innen gesehen hätte, hat offenbar verstanden. Er nimmt das Urteil an und gelobt noch einmal, künftig potentiellen neuen Konfliktsituationen im großen Bogen aus dem Weg zu gehen.

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