Im Dauerlauf zur Arbeitsstelle und zurück

Von Wilfried Gehr Blaichach /Oberstaufen Kann man sportliche Höchstleistungen wie beim Alpin-Übermarathon in Oberstaufen, Haushalt, Familie und einen Beruf, der einen sowohl geistig als auch körperlich fordert, unter einen Hut bringen? Sabine Sigel aus Blaichach sagt ja, man muss nur etwas planen können, braucht einen verständnisvollen Ehemann und einen super Chef. Ferner bedarf es guter Nerven, wenn der pubertierende Sohn die Mutter für verrückt hält, diese immer wieder die Laufschuhe anzieht und den Filius mit der noch auszuräumenden Spülmaschine zurücklässt. Die Ausdauersportlerin aus Blaichach sieht ihren Sport nicht so eng. Sie hat keinen wissenschaftlich ausgearbeiteten Trainingsplan, besitzt keinen Herzfequenzmesser und geht auch nicht aufs Laufband. Mein Mann hat all das Zeug und arbeitet seine Laktatwerte fast wissenschaftlich aus. Trotzdem hält er bei mir im Laufen nicht mit, sagt Sabine Sigel. Sie wird von Ehemann Lother manchmal beim Laufen mit dem Mountainbike begleitet. Wenn er bergauf mit der schnellen Gattin nicht ganz mithält, kann er bergab ja wieder aufholen, lautet deren Kommentar. Das Ausdauertalent läuft und trainiert so wie ich Zeit und Lust habe, aus dem Bauch heraus. Das Auto bleibt meistens stehen. Zu ihrem Arbeitsplatz in die Metzgerei im sechs Kilometer entfernten Immenstadt und wieder zurück läuft die Fachverkäuferin seit vielen Jahren täglich. Ihr Chef Bernhard Rehle hat extra für Sabine Sigel und ihre ebenfalls sportlichen Kolleginnen eine Dusche in der Metzgerei eingerichtet, damit wir nach dem Frühsport für unsere Kunden genau so frisch sind wie unsere Wurst und unser Fleisch, sagt sie mit einem Schmunzeln. Von guter Leistung überrascht Das Sportverständnis beim Metzgermeister kommt nicht von ungefähr. Er läuft selbst viel und nimmt dieses Jahr bei der Triathlon-EM am 17.

Juli in Immenstadt teil. Ob er allerdings die Platzierung erreicht, die seine Mitarbeiterin beim schwersten Marathon in Deutschland geschafft hat, ist fraglich. Wie berichtet, überraschte Sabine Sigel beim Oberstaufener Alpin-Marathon mit ihrem 2. Platz in der Damen-wertung die Konkurrentinnen und auch die Veranstalter. Niemand hatte die Blaichacherin auf der Rechnung. Wer ist denn die Läuferin, die hinter der führenden Anneliese Weber noch so locker läuft war aus dem Funkgerät von Organisator Fredy Donde zu hören. Der musste erst in der Nachmeldeliste nachschauen und las verdutzt den Namen vor, der bisher noch nie groß in der Läuferszene aufgetaucht war. Auch Sabine Sigel hat erst sehr spät kapiert wie gut sie lag. Als mir bei Kilometer 35 ein Streckenposten zurief, du bist die zweite Frau undsiehst noch verdammt frisch aus, wollte sie das mit dem zweiten Platz erst gar nicht glauben. Die 40-Jährige mobilisierte auf den letzten sechs Kilometern noch so viele Kräfte, dass es zu einer sehr guten Zeit von 4:05:38 Stunden reichte. Diese Zeit über 1840 Höhenmeter und 41,195 Kilometer ist besser als der im vergangenen Jahr aufgestellte Streckenrekord in der Frauenklasse. Einen Plan für den nächsten Wettkampf hat Sabine Sigel nicht. Sie läuft eben weiterhin jeden Tag ins Geschäft und zieht dann, wenn sie Lust und Laune hat, die Laufschuhe an, um von ihrer Haustür aus direkt ins Gunzesrieder Tal zu laufen. Bei ihrem nächsten Wettkampf werden die Favoritinnen dann nicht mehr überrascht sein, wenn Sabine Sigel unter den Besten auftaucht. Mit ihrer starken Leistung in Oberstaufen hat sie ein positives Zeichen gesetzt.

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