Seeg
Im Bann der frohen Botschaft

Der große Kirchenraum ist abgedunkelt, nur im Altarraum brennen viele Kerzen, noch sind die Scheinwerfer aus. Pfarrer Alois Linder kündet in seiner Begrüßung «eine Veranstaltung der besonderen Ereignisse zu Christi Geburt» an, gespielt und verkündet von Enrico de Paruta. Der Moderator und Schauspieler ist in Seeg nach seinem Auftritt vor zwei Jahren bestens bekannt und hat viele Bewunderer, wie die übervolle Kirche zeigt.

Der Weg nach Bethlehem

«Wir wagen einen Blick auf das wunderbare Geschehen, auf das Weihnachtsfest, das unsere anderen Tage krönt», beginnt Paruta seinen Vortrag. In Erinnerung an Pfarrer Alois Meisburger stimmt Tenor Benjamin Grund dessen Lied «Heil dem Tage, der unsere Tage krönt» an. «Lasst uns gemeinsam den Weg von Nazareth nach Bethlehem gehen», so die Aufforderung des Erzählers. Und gemeinsam begibt er sich mit den Besuchern auf den 60 Kilometer langen Fußweg, den Maria und Josef zur «Schätzung im Rentamt» bewältigen müssen. Paruta beschreibt Ludwig Thoma, der 1915 aus dem Krieg zurückkommt, als kranken, einsamen und verbitterten Mann. Dieser ging gerne auf die Pirsch - und eines Nachts im Wald entstand im Kopf die Geschichte. «Er schnitzte sich seine Krippe in sechs Kapiteln, in Versform auf bayerisch,» so Paruta.

Ein Blick auf den Alltag

Thomas Legende öffnet den Blick in den Alltag der Menschen von Nazareth, er ist dabei stiller Beobachter von winterlicher Landschaft und Natur, gibt Einblick in die Charaktere der Menschen. Er beschreibt Maria als starke Frau, die mit «was allsamt auftrifft, hat unser Herrgott im Sinn» ihren vorgeschriebenen Weg klaglos geht. Tenor Benjamin Grund führt mit innig vorgetragenem «Ave Maria», «Heilige Nacht, Nacht der unendlichen Liebe» oder «So lasset uns anbeten» ins nächste Kapitel, jeweils einfühlsam begleitet von Stefanie Hampel (Harfe) und Perry Schack (Konzertgitarre).

Hier zeigt Enrico de Paruta sein komödiantisches Talent, karikiert die Bosheit der Base, die die Herbergsuchenden nicht aufnehmen will, mit kunstvoll verstellter Stimme und ist unübertroffen in Gestik und Mimik, zeigt die ganze Abscheu der Menschen. «Mir san net arm», tröstet Maria ihren Josef und gibt sich mit dem Stall zufrieden. In der Heiligen Nacht wird ihr Kind geboren.

Das Glänzen und Funkeln der Sterne beschreibt Paruta in ausdruckstarken Gesten und bannt in der gewaltigen Kulisse des Altarraumes die Zuschauer im Dunkel der Kirche. Zwei Engel aus Ottobrunn, Anna (11) und Laura Handler (13), stimmen das Lied der Lieder «Stille Nacht» an - und das Wunder in der «Kleinen Wies» wird erfahrbar.

«Ihr braucht kei Furcht net ham», verkündet der Erzähler, dem es mit seiner frei gesprochenen Erzählung gelingt, dass die Menschen den Atem anhalten, mucksmäuschenstill das Geschehen verfolgen, um am Ende mit begeistertem Applaus in lauten Jubel auszubrechen. Zum Schluss begleitet das Spiel der Seeger Alphornbläser die Besucher aus der Kirche.

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