Marktoberdorf
Ikonen lassen ihn nicht mehr los

Als Musiklehrer sind seine Welt eigentlich die Töne. Aber seit Jürgen Lehmann auf seiner Hochzeitsreise im Wiener Dorotheum erstmals ganz bewusst mit Ikonen in Berührung kam, war es um ihn geschehen. Die Macht der Bilder hat ihn erfasst. Das war vor 22 Jahren. Sein Interesse war geweckt und seit 2003 ist er sogar unter die Ikonen-Sammler gegangen. Rund 150 dieser Heiligenbilder nennt er inzwischen sein Eigen. Etwa die Hälfte davon hat er für eine Ausstellung ausgewählt, die ab kommendem Sonntag, 29. November, im Stadtmuseum in Marktoberdorf zu sehen sein wird.

Die Ikone, das gemalte Kultbild der orthodoxen Kirche, fand ihre bekannteste Ausprägung zunächst in der byzantinischen, später in der russischen kirchlichen Kunst. Ikonen aus Russland sind es auch, die Lehmann, Lehrer an der Städtischen Musikschule, schwerpunktmäßig sammelt. Ihn fasziniert diese sehr ruhige Malerei, er schätzt deren Ausstrahlung. Diese Bilder, so meint er, «treffen meine persönliche Gestimmtheit.» Er habe auch schon ein Stück zu einer Ikone mit dem Thema «Verkündigung» komponiert, das mit weiteren Werken von Arvo Pärt oder John Tavener bei der Ausstellungseröffnung aufgeführt wird.

Form nach strengen Regeln

Die Ikonenmalerei unterliegt seit jeher strengen Regeln. Die Ikonenmaler mussten sich bei dieser religiösen Arbeit an das Gebot halten, immer wieder dieselben Vorbilder nach den von der Kirche festgelegten Regeln zu benutzen. Daraus erklärt sich, dass sich die Bildnisse Marias und Jesu und die Gesichter und Gestalten der Heiligen über die Jahrhunderte gleichen.

Frei in der farblichen Gestaltung

Frei dagegen ist der Ikonenmaler in der farblichen Gestaltung, wie Jürgen Lehmann weiß. Er selbst ist unter die Ikonenmaler gegangen. Und er will sein Wissen bei der Ausstellung auch weitergeben. Er bietet Ikonenmalstunden an.

In der Heimat seiner Ikonen, Russland, sei er noch nicht gewesen, sagt der Musiklehrer. Seine Sammlerstücke findet er übers Internet, in Auktionshäusern oder bei privat. Manchmal müsse er sich von einem Stück trennen, um das nicht gerade billige Hobby finanzieren zu können.

Durch viel angelesenes Wissen, aber auch den Kontakt mit Experten zum Beispiel beim Frankfurter Ikonenmuseum, könne er die Bilder inzwischen recht gut beurteilen. Ansonsten tausche er sich mitunter mit anderen Sammlern aus. Er wisse, dass es sicher einige auch in der näheren Umgebung gebe. Allerdings gingen sie wahrscheinlich wie er normalerweise eher im Stillen ihrer Leidenschaft für diese Kunst nach.

Die Ausstellung geht bis 31. Januar. Eröffnung am Sonntag, 29. November um 11 Uhr im Stadtmuseum mit einem Konzert. Führungen am 6., 13., 20. und 27. Dezember sowie am 10. Januar um 11 Uhr. Stadtpfarrer Wolfgang Schilling hält am 26. Januar, um 20 Uhr, einen Vortrag zum Thema «Die Theologie des Bildes». Der Ikonenmalkurs für Anfänger findet vom 8. bis 10. Januar statt. Anmeldung und weitere Infos unter Telefon 08342/40188.

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