Allgäu
«Ich kann einfach nicht Nein sagen»

Feierabend heißt eine Serie der Buchloer Zeitung. Sie portraitiert Menschen, die im Ruhestand auf ihr Arbeitsleben zurückblicken, die Bilanz ziehen. In unserer Feierabend-Serie erzählen sie von Dingen, wofür sie nun, im neuen Lebensabschnitt, endlich Zeit haben.

Buchloe Angesprochen darauf, ob er bei unserer Serie «Feierabend» mitmachen will, muss Anton Geldhauser erst einmal herzlich lachen: «Feierabend? Feierabend habe ich eigentlich nie.»

Tatsächlich scheinen die zahlreichen Aufgaben, denen sich der rüstige 73-Jährige widmet, unendlich: Seit Jahren kümmert er sich um die Außenanlagen der Stephanskirche oder um die Pflanzen am Marienbrunnen; er spielt Trompete bei Hochzeiten und Beerdigungen, belädt Lastwagen mit Hilfsgütern für die Rumänienhilfe oder renoviert Feldkreuze.

«Ich kann halt nicht Nein sagen», meint Geldhauer. Dabei betont er immer wieder, wie gerne er all die Dinge erledigt - und fügt hinzu: «Ich will aber nicht wichtig sein».

Nicht Nein sagen konnte Geldhauser auch, als ihm sein Arbeitgeber, die Post, im Jahr 1996 anbot, in Altersteilzeit zu gehen. «Ich war gerne dabei und habe keinen Tag bereut. Aber ich dachte mir, wenn sie nun statt mir einen Jungen nehmen, dann soll mir das recht sein. Dann habe ich mehr Zeit für meine anderen Verpflichtungen.»

Zahlreiche Ämter

Und die waren und sind äußerst vielfältig: So saß Geldhauser - geboren und aufgewachsen in Buchloe - von 1996 bis 2008 für die CSU im Stadtrat. Er engagierte sich jahrzehntelang in der Kirchenverwaltung, leitete den religiös-politischen Stephanus-Gesprächskreis und war 40 Jahre lang Lektor. Zehn Jahre lang bildete er in der Stadtkapelle Nachwuchsmusiker an Tenorhorn und Trompete aus, in der Kapelle selbst spielte er 50 Jahre.

Daneben trat er mit der Postkapelle bis zu deren Auflösung auf und leitet inzwischen das Stephanus- und das Postquartett. «Das blieb halt auch an mir hängen», sagt Geldhauser und erzählt: «Ich glaube, wir hatten 18 Einsätze rund um die Weihnachtsfeiertage. Wir haben im ganzen Allgäu im Münchner und im Augsburger Raum bei Feiern der Postsenioren gespielt.»

Der Glaube als Fundament

Doch so weit reisen muss der Pensionist gar nicht, um sich zu beschäftigen. Demnächst wird man ihn wieder antreffen, wenn er rund um die Stephanuskapelle den Rasen mäht oder sich um die Blumen am Marienbrunnen kümmert.

«Für mich ist das alles selbstverständlich», sagt Geldhauser und bezeichnet seine Verbundenheit zur Kirche, zum Glauben als das Fundament seines sozialen Engagements: «Daher kommt vieles. Würde ich nichts machen, dann wäre ich doch gar nicht glaubwürdig.»

Dass er für all seine Aktivitäten «viel Verständnis» seiner Partnerin braucht, ist ihm bewusst. Und auch, dass er «mehr Freiheit» hat als manch anderer, «der Kinder hat».

Diese Freiheit und seine Freizeit will Geldhauser noch möglichst lange in den Dienst der Allgemeinheit stellen. «Solange man aktiv ist, passts - auch gesundheitlich», lautet sein Credo. Und obwohl es ab und an im Kreuz oder im Knie «zwickt», fühlt sich der 73-jährige Buchloer längst nicht als Rentner. Im Gegenteil: «Ich fühle mich nicht älter als mit 20.»

Eines genießt Geldhauser jedoch, seit er in Pension ist: «Der Stress und Zeitdruck sind weg. Und ich mache das, was ich machen will, in meinem eigenen Tempo.» Ab und an schafft er es dabei dann doch, einen «verdienten Feierabend» zu genießen.

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