Memmingen
Hustenbonbons und Handschuhe

Am Kleiderständer vor den Jugendräumen der Pfarrei Mariä Himmelfahrt funkeln königliche Gewänder. Elf Mädchen zwischen zehn und 19 Jahren greifen nach ihnen, streichen über die weichen Stoffe und staunen. «Sind die schön», sagt die elfjährige Anja, die wie ihre Kameradinnen von der Katholischen Jungen Gemeinde zur Sternsingerprobe gekommen ist. Am 5. und 6. Januar treten die Mädchen in Memminger Häusern auf.

«Bevor wir die Kleider verteilen, müssen wir absprechen, wer was macht», erklärt Natascha. Früher wurden die ältesten Mädchen zu Königen gewählt, heute werden die Rollen spontan vergeben. «Wer möchte Caspar, der Mohr, sein?», fährt Natascha fort. Niemand meldet sich. Dann hebt Miriam ihre Hand: «Ich machs.» Alle klatschen.

Edler Umhang

Gemeinsam suchen sie nach einem passenden Kostüm. Ein edler, grüner Umhang mit goldfarbener Stickerei soll es schließlich sein. Dazu werden der Zwölfjährigen Turban, Hemd und Hose in die Hände gedrückt. Sie fängt an, sich umzuziehen. «Bevor wir losgehen, malen wir dich mit schwarzer Theaterschminke an», freut sich Sophie.

Auch die Darstellerinnen der Könige Melchior und Balthasar sind gefunden. Die Mädchen halten die Gewänder vor ihre Körper, schlüpfen rein und raus und prüfen die Größen. «Das ist zu lang», «das ist zu klein» und «hier fehlt die passende Hose», schallt es aus den verschiedenen Ecken. Nach einer halben Stunde sind alle Kleidungsstücke verteilt - Könige, Sternträger, Kassenwart, Sänger und Segenssprecher glänzen in feinen Roben.

«Wichtig ist, dass ihr euch unter den Kleidern warm anzieht und auch Handschuhe dabei habt», rät die 19-jährige Natascha den Neuen im Team. «Denn bei manchen Familien stehen wir vor der Tür. Andere lassen uns in die warme Stube.» «Und dort gibt es öfters etwas zu essen oder einen Tee», ergänzt Anja. «Den Segen an die Türe schreiben bei uns immer die Größten», erzählt Natascha dann.

«Bei Kunststofftüren müssen wir auf schwarze Aufkleber schreiben, sonst hält die Kreide nicht», fährt sie fort. Natascha hat noch einen Tipp parat: «Es ist wichtig, dass ihr Hustenbonbons dabei habt. Denn durch das Singen wird man heißer und der dampfende Weihrauch kratzt im Hals.»

Auf Schwäbisch

Nach der Kostümprobe wird gesungen. Die Mädchen bilden einen Kreis und teilen die Gesangbücher aus. Nach dem «Neujahrswunsch» folgen «Die Heiligen Drei Könige auf Schwäbisch». Immer wieder werden die Lieder gesungen. «Das klappt ja schon ganz gut», lobt Pastoralassistentin Sabine Oechsle und stimmt die nächste Strophe an.

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