Hund einfach an die Wand geklatscht

Oberallgäu/Kempten (pa). Was, ein Tierquäler soll er sein? Da hört sich doch alles auf, entrüstet sich der Beschuldigte. Er habe den kleinen Mischlingshund Bubi doch aus schierem Mitleid vom Urlaub mit nach Hause genommen, weil die den ersäufen wollten. Dann hält er im Kemptener Amtsgericht einen Fachvortrag darüber, wie man junge Vierbeiner auf die antiautoritäre Tour zur Stubenreinheit erzieht. Doch grau ist in diesem Fall alle Theorie: Das Gericht ist überzeugt davon, dass der 37-jährige Oberallgäuer Bubi mit einem brutalen Fußtritt an die Wand geklatscht hat, weil der Hund ein Häufchen auf den Teppich gesetzt hatte. Und verurteilt ihn zu 700 Euro Geldstrafe. Nachdem Bubi erneut den Besitzer gewechselt hatte, wurde der Vierbeiner, weil er unter starken Gehbeschwerden und offensichtlichen Schmerzen litt, von einem Tierarzt gründlich untersucht. Irgendwann, stellte der fest, hatte der Hund einen Unterschenkelbruch und eine (schlecht verheilte) Beckenfraktur erlitten. Woher die Verletzungen rührten, konnte der Tierarzt freilich nicht sagen. Der Beschuldigte dagegen behauptet es genau zu wissen: Eines Tages habe er zunächst ein Auto vorbeifahren und dann Bubi jaulen gehört. Dann habe ein Tierarzt das Bein des humpelnden Hundes geschient und das sei es dann gewesen. Von Misshandlungen keine Spur: Ich habe Bubi höchstens mal mit der zusammengefalteten Zeitung geklatscht, wenn er etwas angestellt hat.

Wie man das halt so macht. Zwei Zeugen freilich, denen das geschiente Bein des Hundes aufgefallen war, soll der Beschuldigte etwas ganz anderes erzählt haben: Weil Bubi in die Wohnung gemacht hatte, habe er ihn getreten. Dabei sei der Hund an die Wand geflogen und habe sich das Bein gebrochen, sagt eine Zeugin. Einem anderen Bekannten soll er eine ähnliche Version erzählt und lachend hinzugefügt haben, dass der Tierschutz davon aber nichts wissen darf. Ich lüge doch nicht Bereits vorher, sagt dieser Zeuge, habe ihm der Tierfreund eine praktische Demonstration seines eigenwilligen Umgangs mit Tieren gegeben. Da habe er nämlich den Hund zu einer Art Kugel zusammengerollt und ihn quasi gegen die Wand gekegelt. Was der Hund aber doch als Spiel aufgefasst hat und deshalb immer wieder zu mir hergekommen ist, wendet der Beschuldigte ein. Nein, sagt der Zeuge, der Hund habe sich ängstlich verkrochen. Dass er auf der Vereidigung der Zeugen besteht, hilft dem Beschuldigten auch nicht aus der Patsche. Denn die bleiben unbeirrt bei ihren Aussagen. Was Sache ist, das ist Sache, sagt der ehemalige Freund. Ich lüge doch nicht, sagt die einstige gute Bekannte. Dass Sie mit Ihrem Verhalten auch noch vor anderen renommiert haben, zeigt doch schon Ihre innere Einstellung, stellt Richter Stefan Legat fest. Und verurteilt den (vor allem wegen Eigentumsdelikten) mehrfach vorbestraften Oberallgäuer zu einer Geldstrafe von 70 Tagessätzen zu je zehn Euro: eine glatte Verdoppelung des ursprünglichen Strafbefehls, gegen den der Mann Einspruch eingelegt hatte.

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