Kaufbeuren / Ostallgäu
Hoteliers wollen investieren

Das neue Jahr bringt eine gute Nachricht für Hoteliers und ihre Gäste: Seit 1. Januar gilt ein niedrigerer Mehrwertsteuersatz für sogenannte Beherbergungsleistungen: statt bisher 19 nur noch sieben Prozent. Preise senken, investieren, zusätzliche Mitarbeiter einstellen oder doch zunächst einmal Rücklagen bei der Bank bilden? Diese Fragen stellen sich damit jetzt für zahlreiche Gastgeber in Kaufbeuren und im Ostallgäu. Die Hoteliers sehen darin zuerst einmal eine Entlastung.

«Ohne die Senkung stünde die Hotellerie vor sehr schweren Zeiten», betont zum Beispiel Christian Baudisch, Inhaber des Hotels «Zum Goldenen Schwanen» in Frankenried. Er selbst habe in der Vergangenheit Geld für die Erneuerung der sanitären Anlagen oder für die Renovierung eines Raumes ausgegeben. Durch den niedrigeren Steuersatz könne er dies nun refinanzieren. Für Preissenkungen bei Übernachtungen sei allerdings kein Spielraum. Die Preise würden gleich bleiben. «Zudem werden wir den bisherigen Stamm unseres Personals erhalten», beteuert der Hotelier.

Energiekosten drücken

Dass auch die Gäste von der Steuerabsenkung profitieren, obwohl die Preise nicht sinken, davon ist Martin Knie, Inhaber mehrerer Hotels und gastronomischer Betriebe in Kaufbeuren und Buchloe, überzeugt. «Eigentlich hätten wir die Preise erhöhen müssen», erklärt Knie. Mit der steuerlichen Entlastung bleibe diese nun aus. «Das kommt den Gästen zugute», betont Knie. Allein wegen der Nebenkosten für Gas und Strom, die weiter steigen, hätten die Hoteliers laut Knie allen Grund, die Preise für Übernachtungen zu heben.

In dieselbe Kerbe schlägt Carlo Lombardini, Inhaber des Hotels am Turm in Kaufbeuren. «Spielräume für Preissenkungen sehe ich nicht», meint er, schließt aber auch Erhöhungen aus. Steigende Strom- und Gaspreise würden die Ersparnisse wieder auffressen. «Was noch übrig bleibt, wird investiert», erklärt Lombardini. Bei Investitionen habe es in der Vergangenheit einen deutlichen Stau gegeben.

Martin Knie will in seinen Hotels unter anderem Geld für das Personal aufwenden. Ob zu den alljährlichen Investitionen noch größere hinzukommen, weiß er noch nicht. «Zunächst gilt es, Rücklagen zu schaffen. Dann sieht man weiter», meint der Hotelchef.

Auch Leo Goldstein, Inhaber des Hotels «Hasen» in Kaufbeuren, kann sich vorstellen, Geld für das Personal in die Hand zu nehmen. «Lohnerhöhungen sind möglich», beteuert Goldstein. Außerdem wolle er das jetzige Personal halten. Die Preise für Übernachtungen würden weder gesenkt noch erhöht werden. «Noch billiger als jetzt kann ich nicht werden», meint er.

Wolfgang Sommer, Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes Ostallgäu, begrüßt die Entscheidung des Bundesrates. «So werden viele gebeutelte Betriebe entlastet», meint Sommer. Wie das zusätzliche Geld eingesetzt werde, entscheide jeder Hotelier selbst. Für Preissenkungen sieht Sommer keinen Grund. «Deutschland ist im Vergleich zum Ausland ein Billig-Urlaubsland», ist er überzeugt. Sommer fordert allerdings, den ermäßigten Steuersatz auch auf die Gastronomie auszudehnen. Der gleichen Ansicht sind Christian Baudisch, Leo Goldstein und Martin Knie.

Auch Carlo Lombardini merkt an: «Das Ziel des Hotel- und Gaststättenverbandes lautete, Hotellerie und Gastronomie gleichzeitig zu entlasten.» Deshalb sei nur ein Teilziel erreicht worden.

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