Lindenberg
Hotel zwischen Himmel und Erde

Mit existentiellen Fragen befasst sich die Theatergruppe des Gymnasiums Lindenberg in ihrem diesjährigen Stück «Hotel zu den zwei Welten»: «Wo kommen wir her?», «Wo gehen wir hin?» und: «Gibt es Gerechtigkeit in diesem Leben?». Diese Fragen passen in den November. Dass sie im Theater nach Frühling schmecken, dies ist dem Autor des Stückes und der Lindenberger Truppe zu verdanken: Eric-Emmanuel Schmitt («Monsieur Ibrahim und die Blumen des Korans) gelingt es immer wieder, die scheinbar schweren Dinge im Leben auf eine unbeschwerte und humorvolle Art aufzuarbeiten. Und auch die Schauspieler des Gymnasiums unter der Anleitung von Patrick Mark haben es verstanden, diese Leichtigkeit auf der Bühne umzusetzen.

Das Hotel zu den zwei Welten ist ein Ort der Schwebe. Nicht richtig tot, aber auch nicht lebendig sind die Gäste des Etablissements. Auf Erden hängen sie in Krankenhauszimmern an Schläuchen. Im Hotel dürfen sie noch einmal durchatmen, bevor der geheimnisvolle Doktor S. (überzeugt durch Strenge: Josephine Borcherding) sie mit einem Aufzug in ihr früheres Leben nach unten oder in die Ungewissheit nach oben schickt.

Das Bangen zwischen Rauf und Runter eint die unterschiedlichen Charaktere in dieser ganz besonderen Hotellobby. Keine Bevorzugung gibt es dort für den etwas arroganten und materialistischen Präsidenten Delbec, der wunderbar pointiert von Fabian Scherer verkörpert wird.

Kein Unterschied wird auch gemacht zwischen der redseligen Putzfrau Marie Martin (schön schwatzig: Verena Niederacher), dem lebenserfahrenen Magier Radschapur (passend zynisch: Franziska Wiedemann) und dem desillusionierten Sportjournalisten Julien Portal (mit Charme: Martin Holderied).

Letzterer erfährt - natürlich, wie soll es an solch einem Ort anders sein - eine Läuterung. Die zwischen den Welten von den Lasten ihrer chronischen Krankheit befreite Laura, quirlig interpretiert von Corinna Steffen, berührt das abgebrühte Herz des Journalisten und verursacht bei ihm eine (etwas zu schnelle) 180-Grad-Wendung zum Gutmenschen. Ganz so zügig findet man im realen Leben den Sinn des Lebens wohl selten. Aber wer weiß schon, was es alles gibt zwischen Himmel und Erde.

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