Allgäu
Hölzerne Energie von «Max III»

Marktoberdorf/Bertoldshofen Beim Klimagipfel in Kopenhagen zeigte sich jüngst, wie schwierig es ist, auf globaler Ebene etwas für das Klima zu tun. Auf lokaler Ebene sieht das anders aus: Nahe Bertoldshofen ist auf Initiative von Stadt und Forstbetriebsgemeinschaft Marktoberdorf in den vergangenen Wochen auf einer Fläche von einem Hektar ein sogenannter Energiewald entstanden. Er soll den heimischen Markt beliefern, beispielsweise die neue Futtertrocknung in Ruderatshofen, die städtische Hackschnitzelheizung im Marktoberdorfer Bauhof und weitere in Bau oder Planung befindliche Projekte.

«Die Anlage von Energiewäldern ist unumgänglich, um die nachhaltige Versorgung auch mittelfristig zu sichern», sagt Harald Husel, Berater der Forstbetriebsgemeinschaft. In Marktoberdorf und Umgebung bestehe ein jährlicher Holzbedarf von mindestens 30000 Tonnen, erklärt Husel. Ein entscheidender - und klimafreundlicher - Aspekt des Energiewaldes nahe der Kreisstadt sind die kurzen Transportdistanzen.

3300 Euro pro Hektar

Im kommenden Frühjahr sollen auf dem vor Kurzem umgepflügten Feld in engen Reihen 15000 Pappelstecklinge vom Klon «Max III» gesetzt werden. Die Kosten für das Projekt betragen nach ersten Schätzungen etwa 5000 Euro, die Stecklinge schlagen einmalig mit 3300 Euro zu Buche. Im dreijährigen Rhythmus können dann laut Husel armstarke und meterhohe Pappeln als Energieholz geerntet werden.

Vorteil der Pappel ist, dass sie wiederholt aus dem alten Stock austreiben kann. «Einmal setzen, mehrfach ernten», freut sich Husel. Eine genaue Ertragsmenge kann Husel noch nicht nennen, weil Erfahrungswerte im Ostallgäu fehlen. «Es existieren Schätzungen, die zwischen 18 und 35 Tonnen pro Jahr liegen», sagt Husel, der das Projekt als «Einstieg» und «Meilenstein» bezeichnet. Ihm schwebt vor, in den kommenden Jahren noch mehr solcher Wälder anzulegen.

Erhöhte Lebensqualität

Der Energiewald liefert Husel zufolge aber nicht nur Holz zur Versorgung der örtlichen Wärmekraftwerke, sondern hat weitere Vorteile. Die Menge der im Holz gebundenen Treibhausgase und die Verdunstungsleistung der Wälder erhöhen laut Husel die regionale Lebensqualität.

Außerdem können durch «anspruchsvolle Bewirtschaftung» sowohl Trinkwassermenge als auch Trinkwasserqualität gesteigert werden. Zudem biete der ständig nachwachsende Wald einen natürlichen Hochwasserschutz und verbesserte Lebensbedingungen für viele Tiere, so Husel. Probleme könnte es allerdings durch den Nährstoffentzug von Kalium und Phosphor aus dem Boden geben. Hier führt Husel Aufdüngung und Ascherückführung als Lösung ins Feld.

Das könnte Sie auch interessieren

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen
Powered by Gogol Publishing 2002-2019